Die neue Geschichte ist immer oben.
13. Brief
(Silas wird in drei Tagen 1 Jahr alt)
Hallo Mama,
gestern war in unserem Städtchen ordentlich Action: ab 18 Uhr gab’s viel rund um’s Feuer und überall Musik. Als Frauchen mit ihrer Arbeit fertig war, ist sie mit mir auch hingegangen. Sie meinte, das wäre gut zum Üben. Ich weiß zwar nicht, was ich da üben sollte, aber ich ging mit. Mama, ich kann dir sagen: solange ICH da war, hab ich der ganzen Aktion die Schau gestohlen! Keine Ahnung, wie oft ich fotografiert wurde, keine Ahnung, wie oft Frauchen die Leute im Glauben ließ, der „Bär an der Leine“ sei eine weitere Attraktion auf dem Fest.
Ich bin einfach neben Frauchen „bei Fuß“ gelaufen (ja!!!! Ich kann „bei Fuß“ laufen, auch wenn das mein Hundelehrer nicht glaubt!), habe offene Feuer umrundet, habe „Sitz“ und „Platz“ gemacht für Fotoaufnahmen und Streicheleinheiten, habe – ich weiß nicht wie viele - Musikrichtungen über mich ergehen lassen und habe sogar irgendwann kapiert, dass mir kein Mensch eine von den leckeren Roten Würsten mitgeben wird.
Als wir heimfuhren war ich fix und alle und bin im Kofferraum sofort eingeschlafen.
Ich schlaf eigentlich immer, wenn ich mit Frauchen abends heimfahre und Frauchen behauptet dann, ich würde schnarchen. DAS stimmt NICHT!!!!! Schlafen ja, aber doch nicht schnarchen! Ist auch gut so, im Voraus zu schlafen, denn grade diese Nacht war wieder sehr, sehr kurz. Es ist echt prickelnd, wenn ich so vor mich hin träume und Frauchens Notfall-Piepser dann hoch geht. Dann ist mitten in der Nacht Hektik in der Bude und ich muss auf und mit.
Menschen!!!!
Menschen sind tatsächlich manchmal komisch, besonders unsere Sekretärin Marion und Frauchen haben im Büro grad irgendwie ‚ne Macke: ich hab dir doch schon mal von Maria geschrieben, unserer Mesnerin. Immer wenn sie kommt, hat sie ein tolles Leckerli für mich. Ich muss dann in meiner Ecke „Sitz“ machen und „Pfote geben“ und dann krieg ich was. Baby bekommt auch was. Das ist toll. Egal wo ich auch bin, im Keller, auf dem Dachboden oder im Garten, wenn es heißt: Maria ist da!, dann komm ich so schnell ich nur kann. Auf nichts höre ich so gut wie auf: Maria ist da. Bei „Hier“ oder ähnlichen Lockrufen überlege ich mir immer erst genau, ob es sich wohl lohnt, zu kommen. Nun ist es mir passiert, dass ich mal wieder im Garten war, mal wieder die ganze Umgebung zusammen gebellt habe und die Sekretärin plötzlich rief: Maria ist da! Und ich, nichts wie ab ins Haus. Aber!, es war weit und breit keine Maria zu sehen! Ich war enttäuscht, damit ich aber nicht ganz so traurig bin, hat Marion mir ein Leckerli gegeben. Inzwischen kommt es öfter vor: ich bin im Garten, lasse jeden im Umkreis von mehreren km an meinem tollen Organ teilhaben, und Marion oder Frauchen rufen: Maria ist da! Ich renne wie gestochen ins Haus und siehe da, keine Maria steht da und wartet auf mich, aber ich kriege ein Leckerli!?! Dann stehen Marion oder Frauchen vor mir, reichen mir ein Leckerlin und sagen: schau mal, so eine tolle Maria!
Sag Mama, haben die nicht wirklich ‚ne Macke? Sie meinen, sie könnten mich konditionieren! Wenn sie meinen! Solange ich weiß, dass auf den Ruf „Maria ist da“ ein Leckerli folgt, sollen die glauben was sie wollen, ich weiß inzwischen, dass Maria im Krankenhaus ist, aber das Leckerli hole ich mir ab.
Neulich war ich wieder mit beim Fahrradrennen von Frauchens Söhnen. Es gab allerhand zu sehen. Du musst dir vorstellen, Mama, da stellen sich am frühen Samstagmorgen Hunderte von Fahrradfahrern mitten in einer Stadt auf, dann knallt es, dann fährt ein laut knatterndes Motorrad los und dann sprinten alle Fahrradfahrer wie gestört los und hechten die Strasse entlang. Was für eine Hektik!! Also, ich liege dabei, räkel mich, lasse Schuss, Motorrad, und alle Radfahrer an mir vorüber eilen und gähne hingebungsvoll. Nur wenn ein anderer Hund kommt, dann bin ich hellwach. Einmal kam ein Mann mit einem Hund, der sah aus wie meine Freundin in der Hundeschule. So schnell, wie ich auf den Beinen war, konnte Frauchen gar nicht gucken (die hatte eh nur Augen für ihre Söhne!). Ich wollte einfach nur zu dem anderen Hund und als ich so zog, machte das andere Herrchen gerade einen großen Schritt und ich rannte mitten rein und dann stand ich vor dem Hund, der mich freundlich ansah, und sein Herrchen stand breitbeinig über mir (was bei meiner Größe nicht so ohne ist!), und mein Frauchen war ganz erschreckt und stammelte so was Blödes wie: „oh, ich hab’s grad nicht gesehen“, und entwirrte mich aus den fremden Männerbeinen.
Danach wurde ich an der ganz kurzen Leine gehalten. Es kamen dann noch ganz viele Hunde vorbei, ungefähr so groß wie ich und alle erdbraun ... oder so ähnlich .... das heißt , .. eigentlich musste ich leider im letzten Moment immer feststellen, dass das, was ich für einen Hund gehalten habe, ein dreckverkrusteter Fahrradreifen war.
Wir haben dieses Mal auch wieder Versorgungsposten gemacht (rein ins Auto, raus aus dem Auto, rein ins Auto, raus aus dem Auto) und da hab ich gesehen, dass es ungemein matschig war, ... tja, so sahen dann die Radfahrer auch aus, deswegen hab ich mich so vertan. Frauchen hatte aber auch Schwierigkeiten. Sie musste auch erst an der Dreckkruste kratzen um herauszufinden, ob es wirklich einer ihrer Söhne war, der da durch’s Ziel geschossen kam. Und ganz zum Schluss haben die Söhne sogar noch mein Trinkwasser bekommen, um ihre Räder soweit zu reinigen, dass sie ins Auto durften.
Fahrradrennen zählt für mich jetzt nicht unbedingt zu den verständlichsten Aktionen (warum machen Menschen so was?), aber ich denke, ich geh da wieder mit hin. Dieses Mal habe ich auch schon dazu gelernt und habe keinen Haufen auf die Startstrecke gesetzt wie beim letzten Mal. (s. Brief soundsoviel)
Ansonsten, Mama, ist hier alles ganz normal: meine Nase ist gut und ohne Probleme und Entzündungen wieder zusammen gewachsen, auch Babys Stummelschwänzchen ist o.k. (sieht aber voll krass aus!). Im Pfarrhaus wird weiter kräftig an mir herum erzogen, damit ich die Besucher in Ruhe lasse, gleiches geschieht mit den Leuten, damit sie mich in Ruhe lassen. Am Besten verstehe ich mich mit den Kindern. Neulich war eine Frau da, die lockte mich schon, kaum dass sie zur Tür hinein war. Die Sekretärin hat ihr Möglichstes getan, aber die Frau war von mir nicht fernzuhalten, sie wollte unbedingt mit mir auf dem Boden toben. Frauchen hat es dann wenigstens so weit hingekriegt, dass sie zumindest im hinteren Teil mit mir tobt. Und dann ist es passiert, dass ich beim Toben mit einer Kralle an ihre Lippe kam, und diese etwas blutete. Ich konnte da echt nix für. Die Frau war ganz wild auf mich! Frauchen hat noch versucht zu erklären, dass dies geschehen kann, wenn man/frau so wild mit einem Hund tobt. Die Frau hat beteuerte, dass es o.k. sei, ....... bis heute war sie nicht wieder da.
Gestern kam mich ein anderer Neufundländer besuchen und, obwohl der noch ein Baby ist (9 Monate), ist der fast so groß wie ich. Wir haben mächtig toll im Garten gespielt. Das war besonders lustig, weil sich vorher 30 Minuten lang ein Wolkenbruch über uns ergossen hat. Wir sahen hinterher nicht mehr ganz so sauber aus!!!!!!!!
Wie oben schon beschrieben, habe ich mich in der letzten Zeit entschlossen, auf die Rufe und Kommandos meines Frauchens nicht mehr so unbedingt zu hören. Das ist besonders bei Spaziergängen sehr lustig --- finde ich, Frauchen, glaube ich, empfindet das etwas anders. Nun hat Frauchen zu Erziehungszwecken die 10m-Leine wieder rausgeholt. Das solltest du sehen, Mama, wie Frauchen jetzt rödelt beim Gassi gehen: Leine abwickeln, Leine aufwickeln, fluchen (wenn die Leine sich verheddert hat), noch mehr fluchen (wenn ich auf die Leine draufgepinkelt habe). Dann tut sie mir richtig leid und so habe ich mich entschlossen, immer ganz artig zu sein, sobald dieses Monstrum von Leine an mein Halsband kommt. Ich horche IMMER, ich komme SOFORT, ich laufe TADELLOS bei Fuß, usw. Das ist auch o.k so, ich hab da keinerlei Probleme mit, denn ich kann ja wieder dumm tun, wenn Frauchen die Leine zu Hause lässt.
Was ich noch nicht ganz so verstehe, ist das mit dem Wetter: heute Frühling und viel zu warm zum Spazierengehen, und morgen Winter, tiefster Schnee und herrliche Kälte zum Toben. Das Ganze wechselt fast im tages- ganz sicher aber im Wochenrhythmus. Ist das normal, Mama?
Mama, und wie geht es dir? Jetzt werden ja bald meine Geschwister geboren. Meinst du, du kriegst das an meinem 1. Geburtstag hin? Das wäre doch echt toll! Ich wünsch’ dir alles Gute, ganz hübsche Babys und genügend Ruhe, sie auch zu genießen.
Dein Braun-blau aus dem A-Wurf
(das muss ich ja jetzt dazu schreiben, damit du all deine Kinder auseinander halten kannst.)
12. Brief
Silas ist 11 Monate alt
Hallo Mama,
Mama, weißt du noch ... ? .... ich hab doch mal so’n Fläschchen mit Glitzerzeug beim Kerzengestalten „gefunden“ und nach dem (unsachgemäßen) Gebrauch tagelang geglitzert, JETZT glitzer ich wieder!! In silber!!! An der Nase!!!! Als ich gestern mit Balu und Lena unterwegs war, wollte ich irgendwann mit Lena spielen, aber das gefiel Balu nicht und dann hat er mir gaaaaanz deutlich klargemacht, dass ich in seinem Rudel nichts zu sagen habe, indem er seinen Zahn in meine Nase bohrte. (Hätte er auch freundlicher tun können!) Nach der hundemäßigen Erziehungsmaßnahme hat Frauchen im Büro schnell alles delegiert – wie beim echten Notfalleinsatz – und ist dann postwendend mit mir zum Tierarzt gefahren. Ich hab mich mächtig auf ein Leckerli gefreut, aber nix war’s! Eigentlich weiß ich überhaupt nicht mehr, was da so genau gelaufen ist, denn irgendwann wurde ich furchtbar müde, Frauchen hat mich festgehalten und gestreichelt und dann hab ich tief und fest geschlafen. Als ich aufwachte, hatte ich eine kahle Stelle am Bein, Silber auf der Nase und so komische Fäden aus selbiger hervorschauen. Solche Fäden hat Baby auch am Schwänzchen bzw an dem, was davon noch übrig ist.
Das war auch so’n Ding: da bin ich nämlich mit Frauchen und Baby auch schon per Eiltempo zum Tierarzt gedüst. (Er fand meinen gespaltenen Schneidezahn übrigens interessant aber nicht weiter aufregend.) Baby ist morgens heimgekommen und hatte einen ganz komischen Schwanz, der hing am seidenen Faden runter. Sie hat uns nie verraten, wie das passiert ist. Frauchen hat delegiert (s.o.), Baby und mich sofort ins Auto gepackt und ab ging’s. Ich hab das ja da in der Praxis und so und drumherum nicht so ganz gecheckt, aber eines wusste ich noch ganz genau: wo die Leckerli-Dose steht!! Und davor habe ich artig „Sitz“ gemacht und vorsichtshalber auch mal gleich „Pfötchen“ gegeben. Hat auch funktioniert. Ich hab ordentlich was gekriegt. Die Freude wurde von Frauchens Bemerkung („das wird dir alles vom Mittagessen abgezogen“) etwas gedämpft. Dass sie aber auch immer auf die schlanke Linie achten muss! Furchtbar.
Baby hat kein Leckerli bekommen, sondern eine Spritze. Sie hat entsetzlich geweint und ist dann eingeschlafen. Anschließend wurde sie gleich operiert und der Schwanz wurde ihr zur Hälfte amputiert. Am Abend holten wir sie wieder ab. Sie torkelte wie besoffen durch die Küche und verdreht dauernd die Augen. Da, wo früher ihr toll gemusterter Schwanz war, ist nun nur noch ein Stummelschwänzchen, aus dem am Ende kleine, spitze, schwarze Fäden hervorstehen. Ich hatte mir beim Anblick dieses Schwanzetwas vorgenommen, in Zukunft sehr genau auf meinen Superschwanz aufpassen!!!!!! Jetzt habe ich die Verletzung genau am anderen Ende bekommen! Hund sollte die Augen überall haben.
Jedenfalls bin ich auch so getorkelt wie Baby, darf jetzt genau wie Baby jeden Tag zum Arzt und eine Spritze abholen und nachgucken lassen, und in 10 Tage will der Doktor seine Fäden wiederhaben.
(Frauchen ist mächtig gespannt, was dann kommt. Aber sie meistert das ganz cool. Von ihren drei Jungs ist sie einiges gewöhnt.)
Tierarzt fahren ist toll: da trifft hund interessante Kameraden, es riecht verführerisch gut und es gibt mordsmäßig gute Leckerlis.
Ansonsten hatten wir in den letzten Tagen „Papa-Wetter“, d.h., hier war es so weiß, wie an den Tagen, als ich meinen Papa Merlin besuchte. Es war einfach herrlich, diese riesigen Schneeberge über die selbst ich kaum rüber kam. Und es kam immer mehr von dem weißen Zeug vom Himmel. Blöd war nur, dass die Wege wieder so glatt waren, da rutschte ich dauernd aus. Frauchen fand das Wetter gar nicht toll. Das hing wohl mit dem Fest zusammen, was da gerade gefeiert wurde. Ich verstand nicht so ganz, worum es da ging, ich glaub, da ist irgend so ein bedeutender Hase geboren und die Leute schenkten sich vor Freude einander Eier und Lämmer (letzteres aus Kuchenteig).
Irgendwann wurde es mir zu langweilig, immer warten zu müssen, bis Herrchen oder Frauchen mit mir raus in die weiße Pracht gehen. Da hab ich mir gedacht: ich zauber auch im Haus Winterwetter. Ich hab dann meinen Biber so kräftig und lange hin und her geschleudert bis viele weiße Flocken den Boden bedeckten. Besonders apart sah es aus, wenn Baby dazu die Blumenerde aus dem Topf gescharrt hatte (sie durfte doch nicht raus, mit ihrem frisch zugenähten Stummelschwänzchen! Da hat sie dann im Haus gescharrt.)
Einige Wochen zuvor, bevor der Winter kam, war Frühling, das Wetter wurde wärmer und meine Menschen sind viel mit mir am Wasser spazieren gegangen. Das machte tierisch viel Spaß. Wenn wir so liefen, traf ich auch immer wieder andere Hunde und freute mich, mit ihnen zu laufen und zu spielen. Neulich war einer hinter einem Gartenzaun etwas oberhalb des Weges und hat gebellt und gebellt und gebellt, viele Meter hat er mich so begleitet. Als sich die Möglichkeit ergab, bin ich vom Weg ab, die Böschung hinauf und zum Zaun gelaufen. Ich wollte nur HALLO sagen. Mama, das hättest du erleben sollen: der Hund, fast so groß wie ich, blieb abrupt stehen, stellte das Bellen genauso abrupt ein, zog den Schwanz unter den Bauch, ließ ein lang gezogenes ängstliches Jaulen hören und rannte so schnell er konnte vom Zaun weg und ins Haus. „Nun, dann eben nicht“, habe ich mir gedacht und bin mit meinen Menschen weitergelaufen.
Übrigens nicht nur dieser Hund hatte Angst vor mir, ich glaube, unser Bürgermeister auch. Alle, die ins Haus kommen, egal ob jung, ob alt, spielen mit mir, knuddeln mich durch, nur er verschränkt die Arme und will so gar nichts mit mir zu tun haben. Dabei tu ich doch gar nichts! Ich mache noch nicht einmal meine Haufen auf sein Gemeindegelände!
So Mama, ansonsten ist es momentan ruhig hier. Die Kindergruppenstunden haben aufgehört und so kommen auch nicht mehr täglich so viele Kinder, d.h. ich muss mir eine neue Beschäftigung suchen für die Zeit zwischen 14 -18 Uhr. Werd ich finden. Jetzt kurieren Baby und ich uns erstmal aus.
Liebe Grüße aus dem Stettener Lazarett
Dein
Braun-blau
11. Brief
(Silas ist 10 Monate)
Liebe Mama Sina,
der Besuch bei dir war echt cool. Dass du auch „Hormone“ hast, hat mich total durcheinander gebracht.
Ansonsten ist es bei dir und mir wie bei meinem Frauchen und all ihren Söhnen: die sind auch einen Kopf größer als ihre Mama und gucken auf sie runter.
Ich fände das echt toll, wenn du auch mal zu mir kommst. Lass dann aber bitte deine Hormone zu Hause. Meine Freundin in der Hundeschule hat ihre Hormone jetzt auch wieder daheim. Das ist jetzt viel ruhiger, wenn wir uns alle treffen. Waren das eigentlich alles meine Geschwister dort bei dir im Hof????? Die kleinen Schwarzen sahen gar nicht so aus!!!
Apropos so aussehen: mein Frauchen hat sich eine neue Antwort zurechtgelegt. Wenn uns nun Leute entgegenkommen und fragen, laufen Gespräche so:
- Guck mal, der sieht ja aus wie ein Bär!
- Das IST ein Bär! (erklärend fügt sie hinzu) eine Unterrasse, ähnelt stark einem Hund!
- (überlegend) Nee, echt? Nee, ne?! Jetzt wollen Sie mich aber veräppeln! Das ist doch ein Hund, das sieht doch jeder!!
- Wirklich?
Ich habe auch einen neuen Freund gefunden: Heiko! Heiko ist so groß wie ich, fast drei Jahre alt und kann auf zwei Beinen laufen. Wenn er zu uns ins Pfarrhaus kommt, spielen wir zusammen Eisenbahn!!! Ich passe immer gut auf ihn auf. Wenn Heiko im Haus spazieren gehen will, dann gehe ich mit. Heiko legt mir den Arm auf den Rücken und dann ziehen wir los. Ganz besonders vorsichtig bin ich dann immer bei der Treppe und warte, bis er mit seinen kleinen Beinchen die einzelnen Stufen erklommen hat. In Herrchens Wohnung suchen wir dann gemeinsam das fernlenkbare Feuerwehrauto. Das macht echt Spaß.
Neulich war Heiko wieder hier. Das war ein spannender Tag und ich muss sagen, Menschen sind manchmal schon komisch. Am Morgen sind Frauchen, Herrchen und die Sekretärin ungewohnt umtriebig geworden und haben im Haus Tische verstellt und verdreht, Geschirr geschleppt, Kuchen u. ä. bereitgestellt (was mich nach dem Genuss der Weihnachtsplätzchen wirklich echt kalt lässt) und jede Menge Kaffee und Saft aufgefahren. Ich hatte keine Ahnung wozu. Noch nicht! Und dann ging es los: ab 9.00 Uhr war im Haus der Teufel los und besagter Teufel tobte durch’s Haus bis um 23.00 Uhr. Es kamen massig viel Leute, Baby’s und Erwachsenen und welche mittendrin. Heiko war auch dabei. Mit ihm bin ich wieder durch’s Haus gelaufen, so konnten die Erwachsenen in Ruhe ihren Kaffee trinken.
Und dann kam eine ganze Kindergartengruppe und die meinten, ich hätte so ein schönes Fell und ob sie denn ein Stück Fell mit heim nehmen könnten! Die spinnen wohl, dachte ich, und hörte Frauchen gleichzeitig sagen: „Klar doch!“ Was heißt hier klar doch? Es ist mein Fell, ich verschenk doch auch nicht Frauchens Haare! Und dann kam der Hammer: griff doch Frauchen zu meinem Kamm und jedes Kind durfte einmal feste durch mein Fell streichen. Nun denn, wenn’s denn sein muss, dachte ich, kapitulierte vor dem Fellraub und war so freundlich, auch jedes Mal ‚ne menge Haare abzugeben, sodass jedes Kindergartenkind mit einer Handvoll Hundefell zurück in den Kindergarten gehen konnte. Die waren ganz happy. Ich hab mir nur gedacht: Menschen!!!!!
Toll war natürlich, dass Lena und Balu an dem Tag auch kamen. So gesehen, war der Tag sogar für mich noch toll.
Nach den Kindern ging’s weiter, immer wieder kamen Leute, Leute, Leute. Es waren soooo viele, dass ich irgendwann aufgehört habe, jeden zu begrüßen. So lag ich denn still an meinem Platz, den Kopf auf den Vorderpfoten, und beobachtete das Gästeschauspiel. Es war mir zuerst auch vollkommen egal, dass immer wieder neue Kinder kamen und mit dem Fernlenk-Feuerwehrauto und Sirene an meiner Nase vorbei fuhren. Der Spuk dauerte bis spät in die Nacht.
Normalerweise habe ich ja ganz gerne ein wenig Spontanität und kann ein gewisses Maß an Chaos, das sich daraus ergibt, recht gut verkraften, aber irgendwann war Schluss für mich, da war weder der Ort noch die Zeit für irgendwelche Improvisationen und Freundlichkeiten. Spät abends war ich dann auch total müde. Beim Heimfahren wollte ich nicht mal mehr aus Frauchens Auto aussteigen …. musste aber, und zu Hause hab ich mich ins stillste Eck zurückgezogen und tief und fest und lange geschlafen. Letzteres war ein Fehler, denn Frauchen hatte ihren Wecker nicht gestellt und sich am nächsten Morgen auf mich
verlassen …………!!!!
Heute war ich mal wieder ganz alleine mit Frauchen spazieren. Das war schön. Ich hatte Frauchen ganz für mich alleine. Wenn andere Herrchen oder Frauchen dabei sind, dann fachsimpeln sie immer über Vierbeiner und tun so, als ob sie von Hunden mehr verstehen würden als wir selbst. (Ich lasse sie in dem Glauben! Frauchen freut sich dann.)
Heute spielte Frauchen nur mit mir!! Wenn Balu und Lena dabei sind, dann spielt sie auch, dann schmeißt sie Stöckchen und Tannenzapfen …aber davon haben eigentlich nur die Beiden was. Wenn so ein Stöckchen fliegt, schaue ich ihm erstmal nach, dann berechne ich im Kopf die Flugbahn und den voraussichtlichen Landeplatz. Dann wiege ich die Möglichkeiten, hinzulaufen oder stehen zu bleiben, sorgfältig ab und wenn ich mich dann entschließe, dem Stöckchen hinterher zu traben, haben es Lena und Balu schon lange geholt und Frauchen erneut hechelnd vor die Füße gelegt. Heute warf Frauchen NUR für mich und ich hatte alle Zeit der Welt, meine entsprechenden Entscheidungen auf den Wurf hin zu treffen. Und Frauchen nahm sich die Zeit, auf mich zu warten.
Ich mag es auch, wenn Frauchen Sachen für mich im Wald versteckt und ich dann suchen muss. Ich tu dann immer so, als ob ich es nicht gleich finden würde, schnüffel hier und da, laufe auch mal am Gegenstand vorbei und lasse Frauchen zappeln. Sie freut sich dann immer unheimlich fest, wenn ich den Gegenstand gefunden habe …(„fein der Hund, toll gemacht, prima“) Manchmal garniert sie Ihre Freude über mein Tun mit einem Leckerli…. und weil ich Leckerlis mag und es schön finde, wenn Frauchen sich freut und ich ihr noch mehr Freude machen möchte, suche ich den Gegenstand auch ein zweites, drittes und viertes Mal. … bis ich denke, dass Frauchen jetzt genug Abwechslung beim Spaziergang hatte und mal wieder einfach nur geradeaus gehen kann. In der Hundeschule freut sich Frauchen auch, wenn ich was toll mache, dann sagt aber der Hundelehrer immer: „Frauchen, mach nicht jedes Mal ein Fest daraus!“ (Und ich denk, warum denn nicht? Ist doch toll!)
Das mit den Hormonen ist übrigens ansteckend. Neulich, ich fuhr gerade mit Frauchen heim, roch es beim Öffnen der Autotür schon wieder so verführerisch …. hm……! Und bevor Herrchen, der kam grad dazu, mich packen konnte, war ich schon auf und davon, unterwegs zur Nachbarin. Sie bellte so verlockend und roch noch viel besser …..! Leider war Frauchen viel zu schnell und hatte mich sofort am Wickel. Nichts war’s mit Schüffeln und .. naja, all der Dinge, die hund tut, wenn’s gut riecht. Und wenn meine Sehnsucht keine Hoffnung auf Erfüllung hat, wird’s grausam. So hab ich dann auch die ganze Nacht gefiepst und gejammert, aber es half nicht.
Jetzt versuche ich es halt bei Lena, wenn sie kommt, auch wenn sie ganz normal riecht (ich glaub, die hat keine Hormone). Aber Lena will einfach nicht, dass ich sie lieb habe. Sie schnauzt mich immer an und meint: „die Liebe kann ein Tor zum Himmel sein. Es kommt aber sehr drauf an, wer es durchschreitet“. Und ich habe den leisen Verdacht, dass ich nicht der Richtige bin! Schnief.
Mit und ohne Hormone mit der Frauenwelt kämpfend grüßt Dich
dein braun-blau
10. Brief
(Karneval, Silas ist 9 ½ Monate alt)
Liebe Mama,
Mama, was sind HORMONE????
Beim ersten Hundetreff nach der Winterpause war mir ganz kribbelig zumute als ich meine Freundin wieder getroffen habe. Sie roch so gut und deswegen konnte ich auch gar nicht richtig mitmachen bei all den Übungen, bin kreuz und quer gelaufen und mein Frauchen ist nur über mich drüber gestolpert, 45 Minuten lang. Frauchen war stinke sauer und je saurer sie wurde, desto kribbeliger wurde ich und desto besser roch meine Freundin und desto toller wurde alles um mich herum ……. und schließlich ist Frauchen mit mir entnervt heimgefahren.
Die anderen Herrchen und Frauchen und der Hundelehrer haben gesagt, das seien die Hormone! (Was immer das auch ist!)
Frauchen hat Herrchen am Telefon ziemlich aufgebracht von meinem Benehmen erzählt (und vielen anderen hat sie’s auch noch erzählt) und ich glaub, ich war nicht gut, sonst wäre Frauchen nicht so mitteilsam geworden. Jedenfalls muss ich soooooo schlimm gewesen sein, dass Herrchen meinte: ER gehe am nächsten Tag mit mir in die Hundeschule!!!!! Mannomann, muss ich daneben gewesen sein, dass jetzt sogar Herrchen mit mir loszieht.
Am nächsten Tag hatte Herrchen meine Hormone ganz gut im Griff, Frauchen meinte jedenfalls, dass ich „ein ganz anderer Hund sei“, aber es waren noch andere Hund da, die hatten auch Hormone (!!!) und zwar so viele, dass dieses Mal nicht ich, sondern meine Freundin die Hundschule verlassen musste. Ich glaub, sie hat die Hormone mitgenommen, denn danach waren wir alle wieder ganz „normal“.
Letzte Woche habe ich schon mal so was Ähnliches gerochen wie „Hormone“ oder so! Das war bei Diana (einer GANZ GROßEN NEUFUNDLÄNDERHÜNDIN) und Dianas Frauchen hat gesagt, ich solle ihr, Diana, das Öhrchen lecken!?! Keine Ahnung wozu, deswegen hab ich’s auch nicht getan.
Diana, dass ist die Freundin von meinem PAPA, die Mama von deiner Freundin Anna. Ich hab die besucht, eine Woche lang war ich dort!!!! Das war echt irre, total irre!!!!
7 Neufundländer in allen Größen, Altersstufen und Geschlechtern, an jedem Gartenzaun oder Gartentörchen stand eine/r … meistens. Manchmal kamen sie auch zu mir in den Garten!!!! Ich hatte nämlich meinen eigenen eingezäunten riesengroßen Garten, so wie Zuhause. Aber: den Garten kennst du ja, Mama. Ich habe sogar erfahren, dass ich dort im Garten, mitten in den Rosen gezeugt wurde, ein Zeugungsakt, ½ Stunde mitten in den Rosen! Wow, Mama, wie romantisch, da ist Rosamunde Pilcher ja ein Klacks gegen!
Schon das Ankommen bei PAPA war prima. Da kam eine wildfremde Frau auf mich zu und die hat sich ganz wirklich gefreut, mich zu sehen. Sie betrachtete mich mit einem fachfrauischen Blick, der sofort jede Einzelheit meines Äußeren registrierte, meine Hinterbeine fand sie echt gut und meine Farbe auch. Naja, wenn sie meint!
Sie hat mich dann gleich mitgenommen zu einem Zaun, hinter dem mein PAPA stand. Direkt spielen durfte ich nicht mit PAPA, aber, das weiß doch jeder, dass das Verhältnis PAPA und heranwachsender Sohn problematisch werden kann, und dem wollten die Menschen um mich herum entgehen.
War aber auch egal, es gab ja noch die besagte Diana, und Paulchen, das Baby. Die haben mich im Garten besucht …. und dann haben wir getobt …….. Vor lauter Toben habe ich sogar das Bellen vergessen. Hier Zuhause belle ich ja was das Zeug hält: sobald ich in den Garten oder auf den Balkon komme begrüße ich alle lauthals und antworte auf alle Hundestimmen die von irgendwoher zu vernehmen sind bzw. sich evt. in der nächsten halben Stunde melden werden. Bei PAPA hab ich das kaum getan.
Bevor die Spielerei bei PAPA losging, musste ich aber erst lernen, wo mein Platz in dieser Hundfamilie ist, und das hat mir Diana beigebracht. Weißt du, Mama, mein PAPA ist der Boss der Meute (glaubt er!) und die Diana ist die Chefin (weiß sie!). Sie hat das Sagen und hat es mir auch deutlich gezeigt am Anfang, indem sie über mich drüber gesprungen ist und mir ins Ohr gezwickt hat und solche Sachen. Aber das kenn ich ja schon von Bernd’s Hunden und so habe ich mich ganz schnell auf den Rücken gelegt, um zu zeigen, dass ich das mit der Rangfolge begriffen habe, und dann stand einer tollen Spielewoche nichts mehr im Wege.
Immer stand ich am Zaun und hab auf die Meute gewartet. Schon ganz früh morgens, wenn ich Paulchen, das Baby, leise bellen hörte, war ich kaum noch zu bremsen. Ich stand dann vor Frauchens Bett und musterte sie ganz genau. ob sie wohl schon wach ist und mir die Türe auf macht. Damit es schneller geht, habe ich sie auch manchmal angepustet, aber Frauchen weigerte sich standhaft, den Tag vor dem Hellwerden zu beginnen.
Oft ging ich auch mit Frauchen und Philip und Opa und Tante und Onkel und Herrchen (die kenn ich ja alle schon und die waren aaaaaalllllleee da) spazieren. Überall hat es fantastisch gerochen dort, da vor mir schon mindestens 1000 Hunde dort waren. Manchmal hab ich auch gaaaanz große Hunde getroffen. Frauchen sagte, diese Hunde heißen Pferd. (siehe Foto)
Aber nicht nur ich kam auf meine Kosten beim Spaziergang. Dank mir haben auch meine Menschen gaaaaanz viele Leute kennen gelernt und interessante Gespräche geführt.
- Was ist das denn?
- Das ist ein Hund! (behauptete mein Frauchen mit felsenfester Überzeugung)
- Was ist das denn für eine Rasse?
- Ein Pudel! (behauptete mein Frauchen ebenso felsenfest)
- Stutz
- (Erklärend) Der ist nur verkleidet als Neufundländer, ist doch Karneval!
Ich nickte dazu nur verständnisvoll, da mir die Erzählart meines Frauchens „frei nach Münchhausen“ durchaus nicht fremd war.
Wenn andere Hunde mit ihrem Herrchen oder Frauchen kamen, war es natürlich ein besonderes Fest: wir Vierbeiner spielten hingebungsvoll und die Menschen lauschten dem Ruf einer verwandten Seele, begannen mit dem tierischen Balztanz und binnen kürzester Zeit waren sie bis über beide Ohren in irgendwelchen tiefsinnigen Hundethemen vertieft.
Bei einem Spaziergang kamen wir auch an einem großen Stein vorbei und ganz oben drauf war ein Hund aus Stein, fast so groß wie ich. Frauchen hat mir erklärt, dass ein Herrchen dieses Denkmal für seinen treuen Hund gebaut hat und dass ich, wenn ich immer schön brav bin und Sitz, Platz, Bleib und weiß der Himmel noch was mache, auch ein so schönes Denkmal bekomme: Das Denkmal heißt übrigens – ganz nahe liegend „Rüdenstein“!
Geschneit hat es auch bei PAPA. Das war natürlich das Event: im hohen frisch gefallenen Schnee toben, solange, bis hund die Beine vor lauter Schneebollen im Fell nicht mehr bewegen kann. Frauchen hat ewig an mir rum gekratzt und als sie mich endlich schneefrei hatte und die letzten Bollen zur Tür raus warf, zwängte ich mich dazwischen und schwupps war ich auch wieder im Schnee und das Spiel ging von vorne los. Ich glaub, Frauchen hat mich 3x „entschneet“ an dem Morgen.
Und!, ich hab „Gene“, Mama. Da standen PAPA’S und mein Frauchen zusammen im Garten, haben uns beim Spielen zugeschaut und kräftig gefroren und plötzlich sagte mein Frauchen als sie PAPA beobachtete: „das macht Silas ganz genauso!“ Oder PAPA’S Frauchen sagte: „Das ist genau wie bei Merlin!“ Beide Frauchen waren sich einig, dass das die Gene sind. Ich hab die Gene allerdings nie gefunden, so sehr ich auch gesucht habe!
Irgendwann wurde ich wieder mal ins Auto verfrachtet und stundenlang über Deutschlands Autobahnen kutschiert. Ich war soooo gespannt, wohin diese Fahrt geht und was mich am Ende Tolles erwartet. Als sich die Autotür dann endlich öffnete, sprang ich hinaus, neugierig, frohgemut, bereit zu neuen Abenteuern, und, Mama, du glaubst es nicht!!! Ich dachte, ich spinn’! Ich war Zuhause, da, wo ich sonst auch immer wohne! Wenn ich viel wollte, aber da wollte ich bestimmt nicht hin! Wo waren die anderen Neufis? Wo war PAPA? Das konnte Frauchen unmöglich ernst meinen! Hej, ich will zurück! Mit mir verließen Koffer und Taschen das Auto und verschwanden im Haus. Ich weigerte mich standhaft. Hier wollte ich nicht hin, Beharrlich blieb ich an der Türe liegen … bis meine Blase mich am nächsten Morgen zwang, doch wieder meinen alten Garten zu betreten. Ich tat es unlustig. Auch den Pfarrgarten betrat ich kurze Zeit später rein widerwillig. Ich wollte zurück zu PAPA, Diana, Baby und die anderen. Zwei ganze Tage habe ich meinen Protest durchgehalten, mich kaum gerührt und furchtbar gelitten. Frauchen machte sich schon echt Sorgen um mich. Dann habe ich mich mit meinem Schicksal abgefunden und bin zur alten Form zurückgekehrt, schließlich gibt es hier ja auch Spielkameraden wie Balu und Lena. Bei den beiden durfte ich Sonntag ganz alleine bleiben, weil Frauchen und Herrchen einen dienstlichen Termin hatten. Bernd, ihr Herrchen, nahm uns alle drei mit zum Funkenfeuer. Das war toll. Es knisterte überall und ganz viele Leute haben mich gestreichelt.
Und wenn Bernd „Sitz“ sagte oder „Platz“, dann legten sich Balu und Lena auch sofort hin: Nun, da Bernd ja deren Herrchen ist und nicht meins, brauch ich ja nicht auf diese Kommandos zu hören, (glaubte ich) aber als ich sein Gesicht sah, dachte ich, vielleicht ist es besser, ich mach zumindest mal „Sitz“, wenn schon nicht „Platz“, aber Bernd ist nicht so geduldig wie Frauchen und bittet mich kein 2.x „Platz“ zu machen. Schwupp hatte er mich am Halsband und ich hatte gar keine Zeit mehr zu überlegen, ob ich nun wollte oder nicht, da lag ich auch schon auf dem Bauch. Platz! Das war ein doofes Spiel. Und alle haben dabei zugeguckt!!! Da hab ich mir gedacht, wenn ich das nächste Mal „Platz“ höre geh ich so schnell runter, dass da gewiss keiner mehr nachhelfen muss.
Ach ja, und Lena ist ja ein Hundemädchen, und weil ich in letzter Zeit so interessante Begegnungen mit Hundemädchen hatte (das war das mit den Hormonen!), dachte ich, ich versuch’s mal bei Lena! Ohje, ich glaub, die mag keine Hormone! Sie zwickte mich jedenfalls kräftigst ins Ohr.
Ich glaub, ich muss noch viel, viel lernen Mama.
Mit lernenden Grüßen
dein braun-blau
10. Brief
Silas ist 9 Monate jung
Liebe Mama Sina,
Mamaaaaa, ich krieg die Krise!!!!! Es ist dunkel und sie werden schon wieder aktiv, ………..
…aber um mein Entsetzen zu verstehen, musst du erst die Vorgeschichten kennen lernen.
Komische Zeiten liegen hinter mir. Alles war so ganz anders.
Erstmal war ich es ziemlich leid, dass ich dauernd ausgelacht wurde, weil ich „wie ein Mädchen“ pinkel. Ich hab doch echt keine Ahnung, wo da der Unterschied ist, hab mir aber gedacht, dass ich mir eine neue Art zu pieseln zulegen sollte. Und so habe ich verschiedene Stellungen ausprobiert, manche gingen gleich daneben, andere waren einfach nur unbequem, eine hat sich mit der Zeit als brauchbar entwickelt. Dazu muss ich mich auf drei Beinen an einen Baum oder ähnlich Hohes stellen und das Hinterbein elegant zur Seite nach oben strecken. Das geht. O.k., zugegeben, ich musste etwas üben, anfangs kippte ich dauernd um oder humpelte pieselnd durch die Gegend als ich das Gleichgewicht verlor, aber es klappte immer besser und jetzt mach ich es fast nur noch so (bis auf die Momente, in denen mich keiner sieht; dann pinkel ich wieder wie ein Mädchen.)
Vor einigen Wochen zogen Frauchens Söhne alle auf einmal wieder zu Hause ein und haben was ganz Tolles für mich gemacht: jetzt, wo ich endlich wie ein Junge piesel, haben sie mir im Pfarrhaus und in Frauchens Wohnung je einen Baum aufgestellt!! Und wahrscheinlich aus lauter Freude darüber, dass ich das „Pinkeln wie ein Mann“ jetzt gelernt habe, haben sie beide Bäume auch noch geschmückt mit Kugeln und Kerzen. Als ich mich dann das erste Mal langsam schnuppernd einem Baum näherte, riefen aber alle entsetzt: „NEIN!“ Das konnte ich nicht verstehen und kann es bis heute nicht. Erst holen sie mir den Baum extra rein, dann darf ich nicht dran. Komisch. Draußen darf ich an jede Tanne, nur im Haus nicht! (Inzwischen haben sie die Bäume wieder weggeräumt. Was diese Aktion zu bedeuten hatte, ist mir schleierhaft.)
Als Timm, Frauchens Ältester, nach Hause kam, sagte er: „Oh je!“, als er mich sah und zweifelte sofort an meiner Erziehung. (Er hat sich schon mal getäuscht, damals, beim Fahrradrennen!!!) Ich brachte Timm meinen Biber, um gleich wieder Freundschaft zu schließen. Timm wollte erzieherisch wirksam werden und sagte streng – mit erhobenen Zeigefinder –: „Sitz!“ Ich machte Sitz. Timm sagte „Platz!“ Ich machte Platz. Timm wollte meinen Biber und sagte „Aus!“ Ich ließ sofort den Biber fallen, der dank meines Sabbers laut platschend zu Boden plumpste, und schaute Timm erwartungsvoll an, was er wohl als nächstes von mir wollte.( Es gibt bestimmt ein Leckerli, wenn ich so toll folge?!?) Aber Timm war einfach nur baff über soviel prompten Gehorsam, schenkte mir kein Leckerli (dabei hätte ich ihm genau zeigen können, wo sie liegen), unterließ aber fortan Strenge und Erziehungsversuche und spielte hingebungsvoll „verstecken“ mit mir – drei Tage lang.
Übrigens, den oben erwähnten Biber brauche ich zum Einschlafen. Das ist mein Schmusebiber. Ich nehme die Schnauze ins Maul und nuckel daran rum, bis ich eingeschlafen bin.
Philip – Frauchens Jüngster – kann das nicht so zeigen, wenn er mich lieb hat, und ist manchmal super streng. Wenn ich ihm aber mit meinem unverwechselbaren Augenaufschlag anblinzel, wird auch er weich und beschäftigt sich innigst mit mir. Besonders gern fotografiert er mich und einige Bilder hat Frauchen dir, glaub ich, schon geschickt: Silas in der Wintersonne; Silas, the snowsitter; Silas und der Baum; Silas und der Biber; Silas’ Augen, und und und. Philip hat sogar meine Zähne fotografisch für die Nachwelt festgehalten, meine Ohren, meinen intelligenten Gesichtsausdruck und meinen weniger ansprechenden Ausdruck. Philip hat geknipst, bis der Akku leer war.
Nico, Frauchens Mittlerer, hat auch mit mir gespielt, aber da er ja öfter da ist, war er jetzt grad doch nicht soooooo interessant für mich.
Was auch noch komisch ist: da wurde mir beigebracht, dass ich lange schlafen soll .. und ich tu das inzwischen auch wirklich gerne. Wenn`s dunkel wird ist der Tag um, ich such meinen Biber, meine Decke und dann ist Sense. Ich brauch meinen Schönheitsschlaf.
Und was tut Frauchen, was tun die Menschen jetzt rund rum????? Sie werden zu nachtaktiven Wesen. Sobald es dunkel wird, sind sie nicht mehr zu halten. Da musste ich doch tatsächlich mit Frauchen und Herrchen im Dunkeln mit 50 Kindern und deren Papas spazieren gehen. Sie brauchten extra Fackeln, sonst hätten sie den Weg gar nicht gesehen, so duster war es. Es war so dunkel, dass Frauchen eine Bank übersehen hat, kopfüber darüber fiel und mit dem Gesicht in der Rindenmulche zu liegen kam. Das kommt davon, wenn Menschen nachts unterwegs sind. Frauchen hat sofort fachmännisch 2 Finger der rechten Hand auf 2 Wäscheklammer-hälften mit Klebeband fixiert, weil die wohl was abgekriegt haben bei dem Sturz. So richtig weiß ich es nicht, nur, dass ich Frauchen bis heute an dieser Hand nur gaaaaaanz vorsichtig berühren darf. Nein, beim Arzt war sie nicht, sie hätte keine Zeit für so was, sagt sie! Und was ist mit mir? Ich werd gar nicht erst gefragt, ob ich zum Doktor soll oder nicht, mich fahren sie einfach hin. Dabei bin ich pumperl gesund, 44kg leicht, hübsch und zeige mich wesensmäßig von meiner absoluten Goldseite – wenn ich in der Praxis bin.
An einem anderen Tag war es auch extrem mit den Aktivitäten im Dustern. Zuerst saßen alle im Haus, waren friedlich, der Baum strahlte auch, und sie haben sich gegenseitig was geschenkt. Ich hab auch einen Knochen bekommen. Das war schön. Aber dann: es war schon eine geraume Zeit dunkel, ich würde meinen, es war echt spät, da gingen alle noch mal „arbeiten“! Frauchen ging in den Wald, zu der Höhle, wo wir mit dem Hundekindergarten waren und im Bach geplanscht haben. Und stell dir vor Mama, Frauchen war da nicht einmal alleine: Frauchens Söhne waren da und noch ungefähr 150 andere Leute. Mitten in der Nacht! Im Dunkeln. Naja, ganz so dunkel war’s nicht, sie hatten Kerzen in der Höhle aufgestellt und davor ein großes Feuer gemacht und dann saßen alle da und haben gesungen und zugehört, was Frauchen erzählt. Mitten in der Nacht!!! Ich war echt fertig und ko, als es in dieser Nacht ruhig wurde und ich endlich schlafen konnte.
Wenn ich nun dachte, das wäre echt die Spitze gewesen, musste ich eine Woche später erkennen, dass es eine Steigerung gibt. Wieder war es spät, sehr spät, bestimmt mitten in der Nacht. Aber ich hatte den Eindruck, dass kaum einer schläft. Überall war es so unruhig. Und dann, mitten in der Nacht, ich stand gerade mit Frauchen im Garten … ging es los: es pfiff und krachte und zischte und blitzte ….… überall um mich herum. Erst wollte ich die Leute zur Ruhe bellen, aber dann wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte, der Krach und die Menschen waren überall: Ich hab dann mal geguckt, was Frauchen so macht (es ist immer gut, ab und an mal auf Frauchen oder Herrchen zu schauen, die geben etwas Orientierung), aber die stand ganz ruhig dabei. „Na denn“, hab ich mir gedacht, tu ich auch mal so, als ob das Theater um uns herum „ganz normal“ ist und setzte mich zu Frauchen … hinter Frauchen … ganz nahe an Frauchens Beine. Nach ca. 20 Minuten war der Spuk vorbei .. und kam auch nicht wieder. Müde verkroch ich mich auf meinen Platz. Meine Bedürfnispyramide war für diese Nacht bis zum Anschlag gedeckt.
Abends gehe ich mit meinen beiden Menschen manchmal noch ins Städtchen, da ist es auch dunkel und da sind auch viele Leute (manche laufen mit so komischen Schuhen auf Eis – aber wieso tun die das im Dunkeln?). Das ist jedoch nichts zu dem Spektakel der letzten Wochen. Das mit dem Eislaufen hab ich auch ausprobiert, aber ich muss dafür nicht nachts in die Stadt gehen, ich kann das auch tagsüber hinter dem Wald und ehrlich gesagt, ich habe keinen Schimmer, was die Menschen daran so toll finden. Ich find es total blöd, wenn’s mir die Beine unter dem Körper weg haut und ich platsch auf dem Bauch liege. Seit dem Sturz über die Bank bei der Fackelwanderung ist Frauchen auch SEHR vorsichtig geworden und so laufen wir beide bei Glatteis wie auf rohen Eiern durch die Gegend und lassen das Stöckchenwerfen einfach sein (Frauchen kann sowieso nicht schmerzfrei werfen mit ihren Fingern!)
Ansonsten ist es momentan ziemlich ruhig im Pfarrhaus. So liege ich denn auf meiner Decke im Flur, dem Verkehrsknotenpunkt der häuslichen Pfade und wartete ab, ob irgendwelche ominösen Geräusche eine Katastrophe ankündigen. Wohlgemerkt: ich liege auf einer Decke, nicht in meinem Körbchen. In meinen Körbchen ist kein Platz, sie erinnern ständig an die Aktion: „eine gute Tat“, weil ich dort alles hinschleppe, was ich finde und was mir gefällt.
Und in dieser neu gewonnenen Ruhe wurde prompt die nächste Truppe im Dunkeln aktiv, d.h., sie begannen ja schon im Hellen, aber es ging weit in die Dunkelheit hinein: Könige liefen durch die Nacht!!! Sterne hatten sie dabei!!!!! Und Qualm, der in der Nase beißt. Und abends brachten sie viel Geld ins Pfarrhaus vorbei!! Und weil bei uns in den Kindergärten eingebrochen wurde und in diversen Vereinsheimen, hatte ich nun die ehrenvolle Aufgabe, das viele Geld zu bewachen. Im Dunkeln MUSSTE (!) ich nun ab und an im Garten laut bellen (bisher wurde mir dieses ja strengstens untersagt), damit alle hörten, dass ein großer, böser, bissiger Hund im Haus sitzt und die Schätze der Könige bewacht. Und es hat geklappt! Die Bäckereien wurden aufgebrochen und Metzgereien, der Drogeriemarkt abends überfallen, aber wir nicht. Denen hätte auch echt was geblüht, wenn die mich nachts aus dem Schlaf gerissen hätten!!
Inzwischen habe ich auch gut kapiert, dass ich von meiner Freundin Maria das Leckerli nur auf meiner Decke kriege und auch nur, wenn ich vorher „Sitz“ und „Platz“ und sonst noch was gemacht habe. Letztens habe ich mir gedacht: hund sollte nur jene Geschenke in Kauf nehmen, bei denen er nichts in Kauf nehmen muss, und habe ganz schnell das Leckerli aus Marias Hand stibitzt und bin weg damit. Ich bin ja manchmal schwer von Begriff, aber tendenziell nicht dumm.
Und dann ist mir noch was Tolles passiert: ich wollte mit Frauchen spazieren gehen, sie machte die Türe auf … !!! … und vor uns saß ein fremdes Hundemädchen!! Einfach so, kein Herrchen, kein Frauchen, keine Leine, nichts!! Das war klasse. Wir haben uns beschnuppert und für angenehm empfunden, leider wollte sie nicht mit spazieren gehen, sondern wartete, bis ich wieder zurückkam … und da kam dann noch eine zweite Hundedame dazu (diese war mit Herrchen unterwegs) … und erstaunlicherweise hatte heute keine Angst vor mir .. und Mama, was glaubst du wohl, .. !!.. ich habe alle in meinen Garten eingeladen und dann haben wir gespielt und gerauft und sind gerannt und gesprungen und haben herrlich miteinander getobt. Die „Hundedame mit Herrchen“ meinte, sie wolle morgen wiederkommen. Ist das nicht toll???? Das herrenlose Hundemädchen wurde auch irgendwann abgeholt.
Und dann war Frauchen mit Bernd spazieren. Ich weiß nicht, wer Bernd ist, aber dass er drei Hunde hat, das hat mir gefallen. Wir sind ziemlich lange durch den kalten Winterwald gestapft miteinander. Es war etwas schwierig für mich, bei diesem „Bernd-Rudel“ anzukommen. Die haben eine feste Rangordnung: das gab’s den Boss und den Möchetgern-Boss und noch einen, der meint, was zu sagen zu haben. Ich stand da an letzter Stelle. Ich hab mich bemüht, die anderen zum Spielen zu animieren, aber sie mussten mir erst mal zeigen, wo mein Platz ist. Wenn ich nicht so pariert habe, wie die das wollten, haben sie mich gezwickt und gezeigt, wo’s lang geht. Beim nächsten Gassi gehen wird das bestimmt besser.
Bis zu diesem Gassi gehen musste ich aber etwas warten, denn nach der kalten Winterwanderung legte sich Frauchen erst mal einige Tage mit Fieber ins Bett. Ich war in dieser Zeit der perfekte Krankenpfleger: damit es Frauchen nicht langweilig wurde, hab ich ihr so nach und nach alle Schätze aus meinem Körbchen ins Bett geholt. Ich habe ihr schöne Lieder gefiepst, mit der kalten Hundschnauze versucht Wadenwickel zu machen und ich hab darauf geachtet, dass ganz sicher Schluss ist mit nächtlichen Aktivitäten. Sobald es dunkel wurde kehrte bei uns schläfriger Friede ein. Ich hab auch im Haushalt versucht mein Bestes zu geben und z. B. aufgeräumt. Ich hatte diese betuliche Zeit mit Engele und Kerzle usw. jetzt wirklich leid und hab’ einfach in Eigenregie abgebaut, d.h., ich hab das Tannengrün von rechts nach links getragen (als es links war, war es kein Tannengrün mehr, sondern nur noch nacktes Geäst), habe – so gut es ging – heimlich versucht die restlichen Plätzchen zu vernichten und habe diverse Nachbildungen einer jungen Frau namens Maria und ihres Gatten Josefs in mein Körbchen getragen.
Zwischendurch kam mich auch die „Hundedame mit Herrchen“ noch mal besuchen. Da hab ich mich mächtig gefreut – auch wenn ich ihr mit den Augen viel besser folgen kann wie mit den Beinen.
Wenn frau Fieber hat, wird’s frau warm, aber weißt du, Mama, wann es meinem Frauchen erst richtig warm wird????? Wenn sie mich mit nimmt zur Apotheke und mich vor dem Schaufenster anbindet, an einer Stelle, wo eigentlich keiner vorbei muss, vor einer Türe, in die eigentlich keiner rein muss, und dann doch eine Truppe von vier Leuten bepackt mit Einkaufstüten zu der Tür will, vor der ich gerade hocke. Und Frauchen muss grad ihr Medikament bezahlen und die EC-Karte will nicht und der Laden ist voll und die Apothekerin gestresst und ich bewache weiter die Türe und davor stehen immer noch die vier Leute ……!! Dann wird’s Frauchen kochend heiß im Laden. Und, Mama?!? Alles umsonst!!!! Die Leute haben mich freundlich gefragt, ob sie vorbei dürfen, ich bin ebenso freundlich zur Seite getreten und fertig war’s. Bis Frauchen aus der Apo kam, war die Kommunikation Neufi/Mensch längst zu aller Zufriedenheit abgeschlossen.
Manchmal sind solche Zusammentreffen Neufi/Mensch einfacher als Neufi/anderer Hund! Neulich tobte ich mit Frauchen allein über’s Feld, da kamen uns von weitem drei andere Hunde entgegen mit ihren drei Frauchen und Herrchen. Wow, da haben wir uns aber gefreut. Frauchen hat per Zuruf Kontakt aufgenommen ….. um von deren Menschen zu erfahren, dass die anderen Hunde „nicht so einfach“ sind, weil nämlich Hund A Hund B beschützt und Hund C eifersüchtig über Hund A wacht und B es mit C besonders kann, aber nur wenn A sich so oder so verhält, …. ach, ich weiß auch nicht mehr recht, wer da jetzt mit wem was hatte. End vom Lied war, dass ich ruhig neben Frauchen am Wegrand saß und zuschaute, wie drei kläffende, zerrende, keifende Waus an mir vorbeizogen, ihre Frauchen und Herrchen als Gegengewicht hinter sich herziehend. Schade, ich hätte so gerne mit ihnen gespielt.
Ich musste in dieser Zeit auch feststellen, dass Frauchen noch viel mehr Tiere hat als Baby, Pünktchen und mich. Aber es ist komisch mit diesen Tieren: sie sind da, bellen und miauen, aber Frauchen kümmert sich überhaupt nicht um die. Frauchen streichelt diese Katzen und Hunde nicht einmal, was untypisch ist, und sie gibt ihnen auch nie zu fressen. Und!!!! diese Tiere halten sich immer nur an einem ganz bestimmten Platz in der Wohnung auf und wenn Frauchen auf einen Knopf drückt, dann sind sie alle plötzlich weg! Also, ich guck da immer genau nach und wenn da ein fremder Hund in der Wohnung bellt, dann renn ich sofort hin, lege den Kopf schief, beobachte die Szene einen Moment und will auch bellen … aber dann drückt Frauchen auf diesen komischen Knopf und wo eben noch ein Hund war, ist nun ein Mann oder eine Frau zu sehen, oder es wird ganz dunkel. Komisch!
Da bleib ich doch lieber bei so richtig greifbaren Hunden und geh mit Bernd und seiner Truppe wieder spazieren … dieses Mal ist Herrchen mitgegangen. Unterwegs haben wir noch zwei andere Hunde getroffen und sind als Riesenrudel über die Felder gesprungen. Später haben alle im Pfarrhaus Kaffee getrunken und alle Hunde lagen unter’m Tisch und schliefen. Das war schön. Die Besucher, die in dieser Zeit ins Pfarrhaus kamen, nahmen den Zuwachs an Hunden gelassen hin.
Interessant ist bei all den letzten Schilderungen, dass sie wieder bei hellem Tageslicht geschehen. Die nachtaktive Zeit ist wohl beendet ….. dachte ich bis eben …… und nun zurück zu meiner anfänglichen Krise: Es wird dunkel, Schlafenszeit (oder nicht?) und 60 Kinder nehmen Kurs auf`s Pfarrhaus ….. mit Rucksack, Isomatte und Schlafsack. Mama, die sehen so aus, als wollten die hier schlafen, alle zusammen, Mamaa, was wird das für eine Nacht???? Mamaaa, was bedeutet das??? Mamaaaaa, wie kann ich flüchten???? Die streicheln mir kahle Stellen an den Körper!!!!!!
Besorgte Grüße
dein braun-blau
P.S. Sie waren die ganze Nacht da!!!!!! Sie waren die ganze Nacht aktiv. Solange sie mich aber ruhig schlafen ließen, machte mir ihr begeistertes Quietschen gar nichts aus.
Nun bin ich auf die nächste nächtliche Aktion gespannt.
Nr. 9 Silas geht auf sein 1. Weihnachtsfest zu
Hallo Mama,
mannomann, ist das eine aufregende Zeit! Es ist „für mich eine Zeit angekommen, die bringt mir eine große Freud.“
Ich weiß jetzt, warum die Menschen mir nichts mitgeben wollen von dem Gebäck, was sie da gerade so essen!!!! Das Zeug schmeckt hundsmäßig gut!!!!!! Frauchen hatte heute einen Besinnungsabend für Frauen und hat Teller mit Spekulatius, Lebkuchen, Christstollen etc gerichtet und einen Topf mit Punsch. Ich durfte bei der Besinnung dabei sein, aber nach kurzer Zeit war es mir einfach zu langweilig, diesen Meditationen zum Advent zu folgen, und ich hab mich raus in den Gang gelegt. Und da hat’s geduftet, so wunderbar, und weil grad niemand geguckt hat, hab ich was gemacht, was ich noch nie gemacht habe: ich habe meine Nase auf den Tisch geschoben, die Zunge weit ausgestreckt und mir ein Plätzchen geangelt. Wahnsinn!! Leeeecker!!!!!! Es schmeckte nach mehr. Und so probierte ich auch den Lebkuchen und die Zimtsterne und und und und dann war die Besinnung vorüber und Frauchen wollte die Teller holen ………… Die weitere Gestaltung dieses Abends überlasse ich deiner Fantasie, Mama.
Frauchen meint, meine Entwicklung sei sowieso rückläufig.
Gestern war Gitarrenstunde. Da freu ich mich immer drauf und jubel, „ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all“ und bringt Trubel ins Haus. Da darf ich auch immer dabei sein, sofern ich verspreche, die Gitarrentaschen nicht durch die Gegend zu tragen und Baby (die Katze), die immer in einer der Taschen schläft, nicht zu ärgern. Ok, tu ich nicht. Naja, eigentlich musste ich ja dringend in den Garten, aber mir könnte ja bei den Gitarrenschülern was entgehen, also schlich ich ruhelos um sie herum, die offene Gartentür übersehend. Und dann spielten alle Kinder ein Lied mit Frauchen und so nach und nach hörten die Kinder auf, bis nur noch Frauchen klimperte. Frauchen faselte dann was von: die Akkorde sind nicht schwer und die Kinder könnten ruhig mitspielen, und dann zeigten die Schüler gespannt schmunzelnd auf eine Pfütze auf dem Teppich, die ich gerade produziert hatte. Oh Mama, danach war nichts mehr mit „stille Nacht, heilige Nacht“ und „süß haben die Glocken auch nicht geklungen“, die anschließend um mich herum erklangen. Ich musste danach ziemlich lange warten bis Herrchen (nicht Frauchen) mich wieder ins Haus ließ
- Beim Spazierengehen bin ich jetzt auch viel aufmerksamer: Früher bin ich einfach so neben Frauchen oder Herrchen hergelaufen, nichts hat mich aus der Ruhe gebracht. HEUTE ist das anders: da muss eine Frau hinter mir niesen. Welch ein kollosales Geräusch! Da muss ich doch gucken, springen, ziehen, Purzelbäume schlagen, da kann ich doch unmöglich ruhig an der Leine neben Frauchen hergehen, oder????
- Früher konnte mich Frauchen irgendwo festbinden und in einen Laden gehen und ich bin blöd und treudoof sitzen geblieben. HEUTE nutze ich die Zeit des Wartens, zur Not ziehe ich auch den Fahrradständer, an dem ich festgebunden bin, hinter mir her.
- Früher konnte ich warten, mich zurückziehen. HEUTE stehe ich auf der Matte, wenn Besuch für Frauchen oder Herrchen kommt. Dann hole ich mein Spielzeug und lege es den Besuchern vor die Füße oder besser noch auf den Schoß. Und wenn der Ball nicht reicht, dann hole ich meine Ratte (bzw. das, was mal meine Ratte war) oder ich schmiege mich fest an den Besucher. ICH WILL AUFMERKSAMKEIT, versteht das denn keiner???? Frauchen und Herrchen spielen dann: IGNORIEREN. Na, das ist ja mal ein langweiliges Spiel.
- Früher hab ich die Nacht zum Tage gemacht. HEUTE macht es Frauchen. Es ist noch dunkel draußen, wenn sie aufsteht auf und ich frage mich, „Was soll das bedeuten? Es taget ja schon. Ich weiß wohl es geht erst um Mitternacht rum“! Aber Frauchen meint, es sei Zeit zum Aufstehen und dann macht sie Lärm beim Frühstück bereiten usw und ich zeig ihr ständig: „Still, still, still, weil’s Hundlein schlafen will!“ Aber das interessiert sie nicht.
Wie du lesen kannst, Mama, geht es hier grad echt rund. Ob es tatsächlich eine selige, gnadenbringende Zeit ist, weiß ich nicht, aber fröhlich ist es allemal – finde ich. Und in dem Lied, was die kleinen Kinder singen, heißt es doch auch immer: Lasst uns froooh und munter sein …“ Bin ich, bin ich!!!!! Und es wird gewiss so bleiben, denn eins ist sicher: „morgen Kinder, wird’s (wieder) was geben, morgen werden wir uns freu’n“. Da bin ich sicher!
Frohe Grüße
dein braun-blau
P.S. Hat das was zu bedeuten, wenn’s im Bauch zwickt und nagt und weiter hinten ganz viel Luft entweicht???
Silas ist 32 Wochen = 8 Monate alt
Nr. 8 Liebe Mama Sina,
ich bin total durcheinander und brauche dringend deinen Rat: was ist das: es hört sich an wie Frauchen, es riecht wie Frauchen, es sieht aber nicht aus wie Frauchen. Es ist eine komische Gestalt und sie schleicht hier in den letzten Tagen durch’s Haus, im roten Mantel, einem ganz langen Bart und einer roten hohen Mütze bzw so einem spitzen Hut auf dem Kopf, einem Hirtenstab in der einen Hand und einem Sack in der anderen. Geheuer ist mir das nicht! Nach einem anfänglichen Beschnuppern habe ich es vorgezogen, mich still ins Eck zu verziehen, wenn diese Gestalt wieder auftaucht. Nee, damit kann ich nun gar nichts anfangen. Die vielen Kinder, die ins Haus kommen oder die Gestalt auf der Strasse sehen, sind dann auch ganz anders: so aufgeregt und vorsichtig und sie kriegen ganz rote Wangen und große Augen!
Was ist das, Mama?
Jetzt läuft auch so komische Musik im Haus, die hab ich noch nie gehört. Neulich hat Frauchen mal mitgesungen und dabei auch so komisch gewackelt! Da hab ich mich dazu gesetzt und den Kopf mal nach rechts, mal nach links geneigt und überlegt, was das jetzt soll (Frauchen ist ja immer für Überraschungen gut). Frauchen schien mein Kopfnicken zu gefallen und weil ich meist was machen will, was Frauchen mag, hab ich dann im Rhythmus zum Lied und zu Frauchens Gewackel meinen Kopf weiter bewegt. Dann hab ich dafür ein Leckerli gekriegt. Die Menschen sind komisch, aber solange es regelmäßig Leckerlis gibt, ist mir das total egal.
Vor einigen Tagen ist gegen Abend ein ebenso außergewöhnlicher Besucher gekommen: eingepackt in sehr teures Tuch, ein dunkler Mantel mit irgend so welchen Zeichen auf der Schulter. Frauchen hat mich nicht zu dem hin gelassen und sagte immer: „Um Gottes Willen Hund, mach den Mantel nicht dreckig!“ Okay, dann eben nicht. Dann aber hat mich der Mann entdeckt, ging in die Knie und rief entzückt: „Was ist das denn?“ (Doofe Frage, sieht doch jeder, dass ich ein Hund bin!) Und dann sagte er: „Komm mal her!“ Ich schaute fragend Frauchen an, Frauchen schaute fragend auf den dunklen Mantel, der Mann schaute einladend zu mir ….. und dann gab’s kein Halten mehr. Und, Mama, der Mann roch soooo gut, der hat nämlich auch einen jungen Hund, ein Mädchen, zu Hause! Er hat mit mir gespielt, ich habe immer wieder neues Spielzeug angeschleppt … bis er wieder gehen musste. Aber er hat an diesem Abend immer wieder Kollegen vorbeigeschickt, alle in so einer tollen Uniform, manche auch in olivgrün-gemusterten Anzügen. Die sind bestimmt extra wegen mir gekommen, wetten? Da aber nicht alle gleichzeitig mit mir spielen konnten, haben einige zwischendurch Musik gemacht in der Kirche, solche Lieder, wie Frauchen jetzt mit den Kindern singt, haben sie mit goldenen Instrumenten gespielt. Um 23.30 kam der Mann das letzte Mal vorbei. Frauchen sagte danach (es klang erleichtert): jetzt ist Feierabend. Ich dachte (gar nicht erleichtert): Schade, Schluss! Das war einrichtiger Knuddel-Abend.
Aber traurig bin ich nicht. Es kommen ja sooo viele andere Leute vorbei. Mandy hat das Gartenhäuschen in ein Märchenhäuschen umgestaltet und jetzt kommen noch mehr Kinder als sonst und wollen Märchen hören und abends kommen Erwachsene und wollen auch Märchen hören. Kichernd schleichen die dann durch meinen Garten, schlüpfen gespannt ins Märchenhaus und tauchen dann ab in eine andere Welt. Ich liege außen vor der Tür und bewache sie, damit nichts passiert. Und dann geht es im Märchenhaus um Drachen und Königstöchter und Ungeheuer und gefräßige Wölfe und hinterlistige Hexen und so und alle finden das toll. Aber wenn sie rauskommen und mich dunklen (nicht gefräßigen, nicht hinterlistigen) Hund (nicht Drache) im dunkeln Garten bemerken, dann quietschen sie entsetzt auf. Das soll einer verstehen. Ich spuck ja noch nicht mal Feuer wie der Drache im Märchen!!!!
Manchmal kommen auch Kinder zum Backen oder sonntags nach dem Gottesdienst der PGR zum Frühstück, aber das sind allesamt furchtbar unfreundliche Leute. Die tollsten Leckereinen backen die Kinder oder bringen die Großen zum Frühstück mit, aber glaubst du, eine(r) würde mit mir teilen??? Vor einigen Wochen haben die Kinder noch gesungen: „Ein bisschen so wie Martin möchte ich gerne sein, … und ich will auch mit dir teilen, wenn du rufst, schnell zu dir eilen …“ na, von wegen! Geteilt wird gar nichts (zumindest nicht mit mir) und wenn ich rufe, weil sie mich ausgesperrt haben, kommt auch so schnell keiner. Das ist wahrscheinlich die Sache mit Theorie und Praxis, oder so.
Aber so einfach lasse ich mich nicht abschieben bzw. ignorieren. Wenn die (Menschen) meinen, sie können mich einsperren und Türklinken umbauen, damit ich nicht raus kann, wenn die meinen, sie können mich einfach so alleine lassen, einfach so, dann wehre ich mich inzwischen gnaaaaadenlos!!!! Gestern z.B. haben die Kinder Nikoläuse im Pfarrhaus gebacken (ohne mit mir zu teilen) und dann haben sie gemalt (nicht mich, was ja schon mal einer Unverschämtheit ist, sondern Karten für die Kranken der Gemeinde) und dann sind sie ins Krankenhaus gefahren und haben die Nikoläuse und ihre Karten da verteilt (da können sie es plötzlich!) Wow, da war ich aber sauer und dann hab ich all ihre Buntstifte und das Körbchen, in denen sie lagen, einfach kaputt gebissen!! Kaputt! Total kaputt!!! Und sorgfältig im Haus verteilt!!! Frauchen war ziemlich stinkig, als sie wiederkam und ich befürchte, dass diese Aktion noch ein Nachspiel hat für mich.
Kurzum: wenn’s in den letzten Wochen auch etwas langweilig zu ging (Frauchen meint, im November wäre das so üblich), jetzt ist jedenfalls wieder Leben in der Bude – zwar etwas paradox, aber was soll’s. Da singen die z.B.: „Leise rieselt der Schnee ..“ und draußen gießt es in Strömen und der Wind heult um die Ecken, das sogar ich reingehe. Und weiter singen sie: „still und starr ruht der See …“ Welcher See? Hier ist nur die Donau und die fließt … nach wie vor. „Weihnachtlich glänzet der Wald ….“ Soso! Für mich ist der Wald abends so stockdunkel wie immer, da glänzt gar nichts! „Freue dich, Christkind kommt bald!“ Wer immer auch das Christkind ist, aber die Vorfreude scheint groß zu sein.
Gespannt auf neue Abenteuer wartend grüßt dich dein
braun-blau
Nr.7 Hallo Mama Sina,
Du, Mama, ich bin groß, ich bin toll, ich bin klasse, ich bin wunderbar und !! ich bin lernfähig!!!
Ich hab was Tolles gelernt. Ich hab’s nicht von Herrchen und Frauchen gelernt bekommen, nein, ich hab’s mir selbst beigebracht! Und es klappt!! Du willst wissen, was? Okay, also: ich hab dir im letzten Brief ja von meinem absolut ultimativen Erlebnis, der Befreiung aus dem Pfarrhaus durch die Kommunionkinder und dem anschließenden Ausflug im Dunkeln erzählt. Das war ja echt toll (auch wenn Frauchen da ganz anderer Meinung war). Nun hab ich die ganze Woche auf die Kinder und eine erneute Befreiungsaktion gewartet. Aber immer wenn die Kinder pulkweise ins Haus strömten zu irgendwelchen Treffen, hieß es: Silas sitz. Silas bleib! Man, ist das ätzend langweilig. Gut, ich habe gefolgt, es bleibt mir ja auch nicht viel anderes übrig, aber der Renner ist das nicht.
Nun musste Frauchen auf ein Seminar für 2 Tage und Herrchen war zwischendurch auch mal weg und da war abgemacht, dass Mayers (ich schrieb dir schon mal von denen – die “besten Hundesitter der Welt“!) zwischendurch mit mir Gassi gehen, mich etwas unterhalten, kraulen usw. Dagegen ist ja nun überhaupt nichts einzuwenden, aber, diese Zuwendungen waren zeitlich begrenzt, d.h. Mayers gingen irgendwann wieder und ich war wieder allein im Pfarrhaus!! Da hab ich mir überlegt, dass dieser Zustand nicht akzeptabel ist und habe mich angestrengt zu überlegen, wie kommen denn Frauchen und Herrchen aus dem Pfarrhaus heraus? ………..
Richtig! An dem Gegenstand, den sie Türe nennen, sind so goldene Gebilde, Haken .. ich glaub, sie nennen es Klinke. Diese drücken sie nach unten und dann öffnet sich die Türe. DAS hab ich auch probiert: Pfote auf die Klinke und schwupps, die Türe war auf. Was ich bei der einen Türe schaff, das schaff ich auch bei der nächsten: Pfote auf die Klinke und schwupps, auch diese Türe sprang auf und vor mir lag die Freiheit. Ich schnupperte erst rechts, dann links, dann lief ich ein bisschen mit Baby durch die Gegend, es war herrlich. Das Pfarrhaus ließ ich mit sperrangelweit offenen Türen zurück. Irgendwann kam die Nachbarin auch zum Spielen raus …… dachte ich und lief freudig zu ihr hin, um sie ganz lieb und artig mit Pfote (wie sich das für einen Hund gehört) zu begrüßen. Und dann wollte sie mein Reich und meine Hütte sehen und ging mit mir in den Garten. Aber! Menschen halten doch alle zusammen. Kaum war ich hinter dem Zaun, schlug sie die Gartentüre zu und wickelte noch schleunigst ein Gummi um die Pfosten. (Das hätte es nicht gebraucht, denn an dieser Türe hatte Frauchen schon vor langer Zeit die Klinke soooo umgestellt, nach oben, dass ich die Türe nicht aufkriege.) Anschließend verriegelte sie auch die Pfarrhaustüren. Dann kamen Mayers um die Ecke, ähnlich blass um die Nase wie Frauchen eine Woche zuvor. Die Nachbarin hatte sie angerufen. Etwas später kam auch Herrchen. Mayers erzählten ihm von meinem Abenteuer (seine Gesichtsfarbe veränderte sich auch schlagartig), aber außer mir hat sich über meinen Entwicklungsschritt niemand so recht gefreut. Aber, weißt Du, Mama, ist mir doch egal. Ich weiß jetzt wie es geht und das reicht mir.
Heute früh, als alle in den diversen Gottesdiensten waren und ich schon wieder alleine das Haus hütete, hatte ich Langeweile und dachte: selbst ist der Hund, gehst du halt wieder auf Wanderschaft. Aber Herrchen und Frauchen sind auch lernfähig: haben die doch tatsächlich sämtliche Türen ABGESCHLOSSEN!!!! So ein Mist: jetzt muss ich mir was Neues einfallen lassen. Ich werde dich über meine weiteren Entwicklungsschritte informieren.
Im Übrigen habe ich Kontakt zu meinem Papa Merlin aufgenommen und mit ihm ausgemacht, dass ich ihn an Karneval 6 Tage lang besuchen gehe. Bin mal gespannt. Das wird bestimmt prima.
Soweit das Aktuellste von mir. Morgen werde ich mit Herrchen und Frauchen meinen ersten Weihnachtsmarkt in Ulm besuchen gehen. Mal sehen, vielleicht kann ich meine beiden Menschen ja überreden, mal bei dir vorbeizuschauen. Sie werden sich dann aber noch melden.
Eine schöne Zeit wünscht Dir Dein
braun-blau
P.S. Geben Dir deine Menschen auch keine Lebkuchen ab?
Silas ist 7 ½ Monate alt
Dein braun-blau
Nr. 6 Hallo Mama Sina,
Es hätte ja noch etwas Zeit, dir wieder zu schreiben, aber in der Zwischenzeit sind 2 so erzählenswerte Sachen passiert, da muss ich den Computer einfach anschmeißen!!
Also, Mama, gestern z.B. haben Leute über mich gelacht!!!!!
Ich hatte gestern Abend die Wahl mit Herrchen zum Pfarrgemeinderat zu gehen oder mit Frauchen zur DRK Bereitschaft in Hinterunterübertupfingen zur Vorstellung der Notfallseelsorge.
Pfarrgemeinderat ist blöd, da darf ich mit keinem spielen, die labern alle nur ganz ernst rum und zudem ist es furchtbar heiß dort (aber immer noch besser als alleine zu Hause zu bleiben).
Beim DRK, Feuerwehr oder MHD weiß man/hund nie so genau, das kann aber ganz lustig werden, abgesehen von Frauchens Vortrag (die erzählt immer das Gleiche von erfolglosen Reanimationen, Unfällen mit Todesfolge u.ä. grausigem Zeug … das kenn ich schon fast auswendig)
Ich hab mich dann gestern entschlossen, mit Frauchen zu fahren. Das war soweit ganz in Ordnung, nur die Halle, in der der Vortrag war, war soooooo bullig heiß, da wollte ich gar nicht liegen bleiben, da hat`s mich überall gekribbelt und gezwickt. Also bin ich rum gelaufen und hab mal ausprobiert, wer mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann: Frauchen mit ihren Tod-und-Trauer-Geschichten oder ich, das jüngste Mitglied der AG Notfallseelsorge, der Notfall-Bär. Klar, dass ich gewonnen habe!!! Frauchen hat das nicht so gefallen und sie drohte, mich ins Auto zu sperren. Nee, das wollte ich nun auch nicht, also ging ich in diesem Dorfgemeinschaftshaus auf Erkundungstour. Irgendwann stellten die DRK`ler fest, dass sie mich nicht mehr sehen und eine junge Frau zog los, mich zu suchen. Sie fand mich – was zugegebenermaßen recht schwierig war. Sie fand mich also, stutzte, lachte, und ging kopfschüttelnd zu den anderen zurück. Dort erzählte sie, wo sie mich gefunden hat: im Herrenklo hinter der Kloschüssel! Und dann haben alle laut und herzhaft über mich gelacht. Das fand ich gemein. Ich lach doch auch nicht, wenn die alle in ihren Betten liegen!
Nach dem Vortrag bin ich dann von allen noch so richtig durchgeknuddelt worden.
Und eine andere Sache muss ich dir auch noch unbedingt erzählen:
Hundeschule! Der Trainer, Herr Korn, meinte, es sei an der Zeit, mit der 10m Leine das Kommando „Hier“ zu üben. Zu dieser Stunde waren wir mit 5 Hunden da: Emmy, die weiße Labradorhündin und meine Freundin, Hexe, die kleine Schäferhündin, etwas ungestüm und frech, aber sonst ganz ok, diese blöde, eingebildete Colliehündin „Rühr-mich-nicht-an“ und ein neuer affektierter Bernersennenhundmixrüde „Nase-hoch-hier-komm-ich“, der auf gar nichts gehört hat.
Nun bekamen also unsere Frauchen jeweils eine 10m Leine in die Hand mit der Order, sie uns anzulegen, uns laufen zu lassen und mit dem Kommando „Hier“ wieder zurückzuholen. Wenn wir auf „Hier“ nicht reagieren, gilt die 10m Leine als verlängerter Arm von Frauchen, der uns über einen kurzen Ruck deutlich zeigen soll, wohin wir gehören.
Das Spiel begann. Hexe, Emmy und ich nahmen schnell Kurs aufeinander auf und bevor unsere Frauchen überhaupt „Hier“ rufen konnten, kugelten wir uns schon durch`s hohe Gras, die 10m Leine im Schlepptau. Mama, das war ein Spaß, besonders als unsere drei Frauchen versuchten, uns wieder zu entknoten! Aber bevor die wussten welches Ende der Leine jetzt worunter und worüber gedreht werden muss, haben wir uns schon weiter verwickelt. Irgendwann war unser Spiel zu Ende. Emmy, Hexe und ich standen atemlos aneinandergekettet auf engstem Raum beieinander und konnten uns nicht mehr rühren. Angesichts dieses Hunde-Leine-Knäuel gaben auch unsere Frauchen entnervt auf und riefen den Trainer zu Hilfe. Der meinte nur: was habt ihr denn für Hunde! (Lebendige! Sehr lebendige!) Herr Korn entwirrte uns und sofort begannen wir unser Spiel von neuem. Ich glaub bei Menschenkindern heißt das Spiel „Knotenmutter, hilf mir!“ Wir hatten `ne Menge Spaß, nur unsere Frauchen fragten sich, was der tiefere Sinn und Zweck der 10m Leine ist, denn der blieb ihnen in dieser Stunde verborgen. Herr Korn schickte uns dann alle auf einen Spaziergang (im Abstand von 10m), damit wir dort besser üben konnten. Artig folgten wir nun den Traineranweisungen: weglaufen, auf HIER hören und sofort zurückkommen. Für unsere Frauchen hieß dies: Leine abwickeln, Leine aufwickeln. Da wir immer schneller waren, als Frauchen aufwickeln konnte, gab es jede Menge Knoten und Verhedderungen mit Hundebeinen, Bäumen, Stöckchen u.ä. Mama, du glaubst gar nicht, was drei Frauchen an Flüchen drauf haben! Da ist das herzhafte Wort „Sch…“ noch eines der angenehmsten! Wir hatten so einen Spaß. Mit WIR meine ich Hexe, Emmy und mich, denn die anderen zwei waren jenseits von Gut und Böse und außerhalb unseres Spielhorizontes (eingebildet, Nase hoch! Pah!) Unsere Frauchen hatten natürlich alles andere als Spaß --- anfangs ----bis sie die Unsinnigkeit ihres Tun`s erkannt hatten und sich der Eigenwilligkeit ihrer Hunde und 10m Leinen hingegeben haben.
Es war eine tolle Stunde .. bis dahin. Dann wurde es aber doch noch ernst. Sehr ernst.
Dass sich mein Frauchen wie eine Löwin für ihre Söhne einsetzt, das hab ich schon mitgekriegt. Sie lässt keine Ungerechtigkeiten zu und wird zum Elch, wenn irgendjemand den Jungs, (naja, jetzt junge Männer) was tun will. Dass sie das Gleiche auch für mich tut, habe ich nach dem 10mSpektakel erfahren.
Wir durften alle 5 auf dem Hundeplatz nach der Anstrengung des Lernens (bzw des Verhedderns muss man an diesem Tag wohl sagen), frei spielen und raufen. Und so tobten wir in alter Manier los: Hexe, Emmy und ich. Mal war der eine oben, mal die andere, mal war ich unterlegen, mal Emmy, Hexe nie (dazu ist sie zu frech). „Rühr-mich-nicht-an“ und „Nase-hoch-hier-komm-ich“ tippelten in anderen Eck des Platztes, jede/r für sich, vor sich hin. Die dazu gehörigen Frauchen machten auch keinerlei Anstalten, uns alle zusammen zu bringen. Dann nahmen wir drei im gestreckten Galopp Kurs auf diese Ecken, nicht auf „Rühr-mich-nicht-an“ und „Nase-hoch-hier-komm-ich“ wohlgemerkt! Sofort schrien die„Rühr-mich-nicht-an“ und „Nase-hoch-hier-komm-ich“-Frauchen mich (MICH!!!) an: „Weg mit dir, mach meinen Hund nicht kaputt!“
Na, Mama, da hättest du mein Frauchen aber mal sehen sollen. Die hat echt Ärger gemacht daraufhin, zumal ich überhaupt nichts getan habe, die Einzigste, die geknurrt hat, war Hexe.
Jetzt steht der Trainer in der dummen Situation, sich etwas einfallen lassen zu müssen: entweder dürfen auch Neufundländer in seinen Kurs (und das sind nun mal keine Schoßhündchen, ganz davon abgesehen ist „Nase-hoch-hier-komm-ich“ viel größer) oder er muss deutlich machen, dass nur Hunde bis zum diesem oder jenem Körpermaß mitmachen dürfen. Wenn ich dabei sein darf, dann muss er sich was einfallen lassen, wie auch ich, der ich ja nun wirklich die Ruhe und Trägheit in Person bin, auch spielen darf mit den anderen Hunden.
Frauchen war so wütend!!!!!!!
Was gibt es sonst von mir zu berichten??????
Jaaaa! Ich werde so langsam dunkel. Das Fell auf meinem Rücken ändert sich, es wird ganz samtig und immer dunkler, an manchen Stellen habe ich schon schwarze Strähnchen. Jetzt fragt keiner mehr, ob ich braun bleibe oder noch schwarz werde. Jetzt nimmt jeder an, dass ich gerade im Farbwechsel bin. Frauchen fragt sich gespannt, wo das noch hinführt. Ansonsten habe ich mit Frauchen einen Deal geschlossen: ich darf nachts auf dem Balkon schlafen, wenn ich nur dann belle, sobald ein Einbrecher Kurs auf die offene Tür nimmt. So ganz halte ich mich noch nicht daran, aber ich werde immer besser. Es ist so angenehm bei
0 Grad oder kühler draußen zu liegen, die Schneeflocken auf dem Fell zu spüren …… ach, nie schlafe ich so gut, wie bei Minusgraden draußen.
Mein Lieblingsspielzeug!
Herrchen und Frauchen bringen mir immer etwas mit, wenn sie bei IKEA sind. Vor einigen Wochen brachten sie mir eine Stoffratte mit. Eigentlich wollten wir die Sekretärin damit aufziehen, aber ich habe das Vieh zu meinem Lieblingsvieh ernannt und es ständig überallhin mitgenommen. Meine Ratte!!! Ganz kaputt geknuddelt ist sie und stinkt, weil mein Sabber sie ständig durchweicht. Aber! Kein Schritt ohne meine Ratte. Beim letzten Besuch brachten Frauchen und Herrchen von IKEA einen Stoffbiber mit. Den mag ich auch und nage hingebungsvoll auf ihm rum. Der Biber hat nur einen Nachteil: er sieht vom Fell her aus wie Baby, die Pfarrhauskatze und wenn ich den Biber angenagt und durchgesabbert irgendwo liegen lasse, dann hat schon mach eine/r einen Schrei losgelassen, weil er/sie meinte, Baby hätte ihren letzten Schnaufer getan (zumal uns beide immer noch nicht die richtig große Liebe verbindet). Ich besitze natürlich auch hundepädagogisch wertvolles Spielzeug!!! Aber das ist – bis auf das Quietschekissen – nur halb so schön wie meine Ratte.
Wow, Mama, Frauchen will mit mir Gassi gehen. Das sollte Hund sich nicht entgehen lassen. Deswegen:
Laut gebellt ist gut gegrüßt.
Nr.5 Liebe Mama Sina,
Frauchen und Herrchen haben nen echten Schuss weg! Es gibt Tage, da weiß ich endlich, warum Frauchen und Herrchen immer sagten, sie wollten einen jungen Hund im Frühjahr holen, da hätten sie noch Zeit für den Hund: Ich hatte doch ewig keine Ahnung, was „ZEIT“ ist. Jetzt ! weiß ich es: das ist das, was ich mir bei beiden an manchen Tagen echt schwer erkämpfen muss. Die beiden legen da ein Arbeitstempo vor, dass einem schwindlig wird. Und an den Tage liege ich meist faul rum …24 lange Stunden, keiner kümmert sich um mich!
An anderen Tagen wiederum sind sie dann so auf mich fixiert, da muss ich dauernd mit ihnen laufen, spielen, Termine bei Feuerwehren etc wahrnehmen usw. Ich meine, das ist ja ne Zeitlang ganz nett, aber irgendwann will ich auch meine Ruhe haben und aber das geht dann nicht. Und Frauchen und Herrchen meinen, es würde mir Spaß machen, wenn sie mich überall mit hinnehmen. Ein gesundes Mittelmaß kennen die nicht!
Nun, irgendwie ist es ja schon interessant, so mitten unter die Leute zu kommen. Wenn ICH auftrete, dann ist was geboten: Menschen bilden im dichtesten Gewühl eine Gasse und lassen uns hindurch. Begleitet von Bemerkungen wie „Oh, guck mal, ein Bär!“ oder „Süüüüüß, der sieht ja aus wie ein Bär“, oder „ooooh, ist der knuffig“ schreite ich dann hoheitsvoll durch die Menge und tu so, als ob ich das alles nicht hören würde.
Je nach Laune und Tagesverfassung reagiert Frauchen. Wenn sie irgendwo hört: „ Guck mal, da ist …“, ergänzt sie sofort: „ein Hund! Es ist garantiert ein HUND!!!“ Manchmal fühlen sich Fremde auch bemüßigt Frauchen mitzuteilen, das ich noch ganz groß werde (für den Fall, dass Frauchen das vorher gar nicht wusste!) Wie gesagt, je nach Verfassung reagiert Frauchen dann. Letztens in Freiburg blieb sie bei einer solchen Ankündigung (der wird aber noch viel größer) mal abrupt stehen, schlug entsetzt die Hand vor den Mund, starrte mich noch entsetzter an und stammelte: „Echt?? Oh Gott, was mach ich jetzt bloß? Ich wollte doch den Pinscher aus dem Wurf!“ Ein Mann fragte in Freiburg, ob Frauchen schon einen Sattel gekauft hätte für mich?! Frauchen bejahte das und gab dem Mann eine (Fantasie-)Adresse eines Hundesattel-Fachgeschäftes in die Hand, der auf Wusch hin Hundesättel in Sonderanfertigung zum absoluten Tiefstpreis herstellt, … nicht so teuer wie all die anderen Sattler!! (Alle anderen Sattler?) Ja!!! Und dann erzählte Frauchen den staunenden Leuten eins vom weißen Schnee, von Hundesattel und Zaumzeug und Kinderreitstunden usw. Frauchen hatte schon immer viel Fantasie und kann Märchen aus dem Stehgreif erzählen. Während sie dann wildfremde Menschen um sich versammelt und aus dem Ärmel die wildesten Geschichten von Pinschern erzählt, die plötzlich zu Neufundländern mutieren, lege ich mich daneben und halte ein Schläfchen, denn das geht meist länger. Am Anfang hab ich echt gedacht: wovon erzählt Frauchen da? Bis ich gemerkt habe, dass ich Mittelpunkt ihrer „Baron von Münchhausen-Märchen“ bin.
Frauchen kann sich aber auch nett mit anderen Leuten über mich unterhalten … wie gesagt, je nach Tagesverfassung und Reaktion der anderen. In Freiburg z.B. waren wir mit einer Gruppe aus der Gemeinde unterwegs und als die alle mit dem Pfarrer ins Münster sind, bin ich mit Frauchen über den Markt geschlendert, habe hier an einem Stand eine Banane und dort einen kleinen Apfel bekommen („oh, so ein schöner Bär, schade dass ich kein Leckerli habe!“ „Mein Hund liebt auch Obst!“), habe mit Frauchen die Riesenbuchhandlung Herder unsicher gemacht und schließlich vor dem Münster auf unsere Gruppe gewartet. Da kam ein großer weißer Hirtenhund auf mich zu, der war echt lieb. Sein Herrchen fragte mein Frauchen, ob sie auch auf jemanden im Münster wartet?! Und dann kam noch ein Cockerspaniel zu uns und so ne Promenadenmischung. Alle mussten mit Frauchen oder Herrchen warten, bis ihre Leute genug gesehen hatten in der Kirche. Das war lustig und ich glaub mein Frauchen hat sich mit den anderen genauso gut unterhalten, wie ich mich mit Fifi und Co.
Wenn ich so unterwegs bin, bin ich auch ein sehr sauberer Hund. Pieseln tu ich eigentlich nur auf einer Wiese oder wenn ich mit allen vier Füßen im Wasser stehe. Auf dem Rückweg von Freiburg waren wir in Titisee und als ich im See stand, hab ich laufen gelassen. Da sind Leute - schon wieder - stehen geblieben und haben geguckt, wie ich in den See rein pinkel.
Letzten Sonntag habe ich allerdings mal in aller Öffentlichkeit nen Haufen hingesetzt. Da waren wir bei einem Fahrradrennen, weil Frauchens Kinder da mitgefahren sind. Frauchen ist schon mit mir in die Büsche gegangen und ich hab auch ordentliche Haufen hingesetzt, nur, an dem Tag hat es nicht gereicht und so kam es, dass ich mitten auf die Wiese neben dem Startpunkt noch einen Haufen setzte, einen richtigen Neufundländerhaufen. Entsetzt erstarben rundum die Gespräche und gespannt schauten alle erst mich und dann Frauchen an. Sie hat dann – ganz cool – ihren Rucksack gezückt und mit Papier, Schaufel und Tüte meine Bombe entsorgt.
Frauchens ältester Sohn Timm (der ist etwas kompliziert) meinte, es sei ja wohl unpassend, mich zu einem Fahrradrennen mitzunehmen, zumal Frauchen als Streckenposten agieren musste an fünf verschiedenen Stellen. Der Hund würde sicher nur bellen, meinte der Sohn. Das hab ich nicht auf mir sitzen lassen. ICH stör doch nicht! Ich bin ein hilfsbereiter Hund!
Also bin ich mit Frauchen und ihren Schwiegertöchtern i.W. (in Wartestellung) von Punkt zu Punkt gerast, raus aus dem Auto, an die Rennstrecke, Söhne mit Wasser, Bananen und Powerriegel versorgt und weiter. Ich habe NIE gebellt. Im Gegenteil, ich habe genau aufgezeigt, wann welcher Sohn kam, denn die anderen Fahrer haben mich wieder erkannt und schon am 2 Streckenposten haben sie mich gegrüßt, obwohl sie kaum genug Atem zum Strampeln hatten, und da wussten Frauchen und die Schwiegertöchter i.W., dass der grüßende Fahrer in rot vor Philip fuhr und der in blau vor Timm usw. Und wenn das mit der Übergabe der Getränke und Bananen nicht so klappte und die Bananen auf den Boden fielen, dann habe ich die auch entsorgt. Im Ziel wurde ich dann auch feste gelobt und manch ein Fahrradfahrer hat sich mit mir fotografieren lassen. Timm hat nie wieder etwas negatives über mich gesagt!
Es wollen sowieso viele Leute mit mir fotografiert werden, meist sind es Japaner oder so gackernde junge Frauen. Ich versteh nicht, warum Frauchen dafür kein Geld nimmt, sie könnte reich werden.
In Überlingen habe ich neulich ernsthaft um mein Fell gebangt, soooo häufig bin ich da gestreichelt worden.
Vor einiger Zeit war ich mit Herrchen und Frauchen auf so einem Rittermarkt. Es war genagelt voll, aber das macht uns ja nichts aus (siehe oben). Frauchen ist bei so was immer ganz fasziniert und ist von Stand zu Stand gelaufen und Herrchen zog mit mir weiter. Einmal meinte Herrchen zu Frauchen, dass wir uns noch im Gewühl verlieren werden, aber Frauchen meinte, sie würde uns schnell finden: immer da, wo das größte Menschenaufkommen ist, stehen Herrchen und ich garantiert mittendrin. „Meine beiden“ haben durch mich ne Menge Leute kennen gelernt an dem Tag und Frauchen hatte schließlich ganz viele Telefonnummern und Visitenkarten im Hosensack!
Wie schon erwähnt: bei Feuerwehren, Rettungskräften o.ä. bin ich auch immer mit von der Partie. Beim letzten Feuerwehrfest meinte der Notfallseelsorger, der vor uns Dienst hatte und unseren Infostand betreuen musste, dass heute nicht viel los sei!! Das hat sich natürlich ruckzuck geändert als ich kam!!!!!
Da wollte mich auch ein Feuerwehrmann ärgern und kam mit einem Einsatzfahrzeug genau zu unserem Stand und hat dann die Pressluftsirene angeschaltet. Alle sind gesprungen, aber ich --!!ICH!!—bin regungslos sitzen geblieben und habe nur still auf das blinkende Blaulicht geguckt!! Natürlich kamen auch Kinder vorbei und behinderte Menschen und ich weiß schon, dass ich da ganz ruhig sitzen oder liegen muss, die sind nämlich anders als andere und dann tu ich auch nichts und bin ganz lieb. Wenn Frauchen so ein Bild findet, dann schickt sie es mal. Am Samstag musste Frauchen bei einer Feuerwehr einen Vortrag halten (ich musste im Auto bleiben, weil ich im Haus so gequietscht habe) und zum Schluss hat ihr die Altersabteilung sämtliche Knochenreste der Ripple geschenkt, die an diesem Abend gegessen wurden – extra für mich. Sag, Mama, ist das nicht lieb: Allerdings, und das finde ich sooooo gemein, hat mir Frauchen nicht einen einzigen Knochen davon gegeben!!! Es roch so gut im Auto!
Dafür hat mir gestern ein Fremder einen Knochen über den Zaun in den Pfarrgarten geworfen. Ein Leckerli vom Himmel. Glaub mir, ich hab`s nicht mehr hergegeben und mich ganz leise ins hinterste Eck versteckt. Als Frauchen mich entdeckte, wollte sie mir den Knochen wegnehmen, da hab ich aber ganz laut geknurrt – und, du glaubst es kaum, Mama, - ich hab Frauchen das 1.x mit erschrockenem Gesicht gesehen! ICH habe ihr Respekt eingeflößt!!!! Das fand ich toll und hab gleich noch mal geknurrt, aber da hatte sich Frauchen schon wieder „gefangen“ und machte Anstalten, mir den Knochen wegzunehmen. ….. Und dann hat es an der Tür geklingelt und das Telefon hat gerappelt und Frauchen wusste nun nicht mehr, was sie machen sollte, wo zuerst … und damit war ihr Erziehungsversuch gescheitert und ich hatte gewonnen.
Im Pfarrhaus bin ich – jetzt wo Irmi und Horst weg sind – auch wieder recht lieb. Dort ist ewig was los. Leute kommen und gehen am laufenden Band. Manche haben es echt drauf und ignorieren mich einfach!!! (Frauchen will das so) Aber: ist mir doch egal, sollen sie doch so tun, als ob sie mich nicht sehen … dann seh ich sie eben auch nicht! So!
Andere, da weiß ich schon von vorn herein, die krieg ich weich und da lass ich dann auch nicht locker (das gibt dann allerdings meist Ärger mit Frauchen)
Ein Mädchen aus dem Kindergarten kommt öfters mit der Erzieherin vorbei. Das Mädchen hat im Kiga immer Angst und will nicht reden, aber bei mir lacht sie und springt umeinander. Das freut mich. Frauchen hat auch einen Gitarrenschüler, der redet auch nicht und sieht immer ganz traurig aus, obwohl er ziemlich schlau ist. Seit ich da bin, redet der Junge – aber nur mit mir!!
Ein fremdes Kind blieb neulich im Wald stehen, als es mich sah, starrte mich fasziniert an und sagte dann zur Frau neben ihr: „Oma, morgen kann ich in der Schule erzählen, ich habe einen Bär an der Leine durch den Wald gehen sehen!“ ICH BIN EIN HUND!
Manchmal kommen nach dem Gottesdienst die Ministranten rüber in den Pfarrgarten und spielen mit mir, das ist schön. Ich pass übrigens mit 12 Minis in meine Hundehütte. Das Bild wird Frauchen auch mal schicken. Manche von den Minis riechen gut nach ihren eigenen Hunden, aber mitgebracht hat noch keiner einen. Schade. Seit Lenchen und Zoe nicht mehr da sind, wird`s ruhig um mich herum und den Neufi-Treff, den Frauchen aufbauen wollte, hat sie auch noch nicht geschafft. Dafür hat die Hundeschule wieder angefangen und ich hab Emmy wieder getroffen. Das ist jedes Mal ein Spaß. Wir tollen umeinander und kugeln uns im Gras bis wir total kaputt sind.
Mein Lieblingsspiel ist im Moment das „Such-Spiel“. Frauchen versteckt Sachen und ich muss die dann suchen. Das find ich spannend. Im Haus klappt das schon ganz gut, im Garten auch, aber beim Spaziergang ist noch soviel anderes, aufregendes dabei, da kann ich mich noch gar nicht so richtig konzentrieren. Aber Frauchen sagt, das kommt noch.
Wenn du das jetzt so liest, Mama, könntest du meinen, ich sei ein lieber Hund, gell? Aber ich habe auch meine dunklen Seiten. Ich habe z.B. angefangen aus dem Garten heraus Leute anzubellen und das soll ich anscheinend nicht tun. Ich mach`s auch nur, wenn Frauchen und Herrchen weit weg sind. Und die beiden wissen nicht, wie sie mir das abgewöhnen sollen, denn sie dürfen mich ja nur direkt auf das unerwünschte Verhalten hin strafen. Wenn sie aber angerannt kommen, bin ich immer still, also würden sie mich für`s Stillsein strafen und das geht nicht … und das wissen sie …. also bell ich weiter, wenn sie weg sind. Schlau, nicht wahr?!
Ansonsten, Mama, bin ich inzwischen 32 kg schwer und – wenn Frauchen richtig gemessen hat – an der Schulter 49cm hoch. Ich fresse immer noch 4x am Tag und der Joghurtmisch ist mir nach wie vor die liebste Mahlzeit. Ich fresse momentan das „Gold select“ Futter vom Fressnapf und mit Vorliebe Obst in allen Variationen. Ich hab Frauchens Brombeeren gleich vom Busch abgepflückt und gefuttert. Auf dem Balkon hat … hatte Frauchen Erdbeerpflanzen stehen und daran hingen bis gestern noch 3 große Erdbeeren (die ersten!), die nächste Woche reif gewesen wären. Jetzt sind sie weg!!!!!!! (Nein, ich habe keine Ahnung, wo!)
Manchmal kriege ich ein Stückchen milden Käse, aber wirklich nur manchmal. Was Frauchen gar nicht gefällt, ist, dass ich zur Zeit viel spucke. Letzte Nacht hab ich ihr vor`s Bett gekotzt. Das war mir furchtbar peinlich. Zuerst grummelte Frauchen (sie war vom Würgen wach geworden) und meinte: „jetzt hat frau die Kinder groß, jetzt kotzt der Hund, es ist halb 4, da kotzt hund nicht, da schläft hund normalerweise ... frauchen übrigens auch!“ Und dann streichelte sie mich und sagte: „Danke! Kinder kotzen das Bett voll und den ganzen Weg zum Klo. Du kotzt wenigstens nur auf eine Stelle, wenn`s auch auf dem Teppich ist.“
Meine aktive Zeit ist nach wie vor abends, was etwas unglücklich ist, wenn Herrchen oder Frauchen mich mitnehmen wollen zu einer Sitzung.
Mein Lieblingsplatz ist immer noch um`s Klo rum. Weil ich aber inzwischen so groß bin, reicht der Platz nicht mehr ganz und deshalb strecke ich dann meine Pfoten ganz weit die Wände hinauf. Ich liege also wie ein U auf dem Rücken um die Kloschüssel herum und die Beine schauen in die Luft und kleben an der Wand! Frauchen schüttelt immer wieder den Kopf, wenn sie mich so sieht. Tja, und so schlaf ich die ganze Nacht, zwischendurch steh ich auf, was zugegebenermaßen schwierig ist, schlurfe an Frauchens Bett, guck nach, ob sie noch da ist oder zu einem Einsatz weg musste (obwohl, da nimmt sie mich ja mit), dann puste ich sie an, sie verwünscht mich dann, anschließend schau ich nach, ob Pünktchen auch an ihrem Platz in Frauchens Bett liegt, und dann troll ich mich wieder ins Klo und roll mich um die Kloschüssel. Inzwischen bin ich auch ein wahrer Langschläfer geworden, was Frauchen sehr entgegen kommt. Wenn sie morgens aufsteht, drehe ich mich noch mal genüsslich um und schnarche weiter, bis wir arbeiten fahren.
So, jetzt muss ich wieder arbeiten, d.h. ich muss all die vielen Gitarrenschüler freudig begrüßen. Also, Mama. tschüß denn!
Dein braun-blau
Nr.4 Hallo Mama Sina,
ein rabenschwarzer Tag ist heute: Zoe und Lenchen ziehen weg … nach Leipzig. Ich werde sie wahrscheinlich nie, nie wieder sehen. Nur ihr Herrchen bleibt hier. Der hat aber versprochen, öfter mit mir spazieren zu gehen.
Es war soooo schön mit den beiden, grad jetzt, wo wir größer wurden. Beim letzten Treffen haben wir noch einmal alles gegeben: wir haben im Pfarrgarten den gesamten Gartenteich zu geschüttet, d.h.: ich war das ja überhaupt nicht, denn für mich hat Adolf ja einen Zaun um den kleinen Teich genagelt (dass Lenchen mir gezeigt hat, wie ich den Zaun umgehen kann, habe ich keinem erzählt! Zoe konnte übrigens drüberspringen!)
Herrchen und Frauchen mussten später den ganzen Teich ausleeren, saubermachen, 1000 Tonnen Mulche herausholen, die Pumpe für den Springbrunnen reinigen und dann alles wieder füllen und einsetzen. Während dieser Arbeit hab ich mich dann doch lieber versteckt!
Jetzt ist Frauchen auf der Suche, nach weiteren SpielkameradInnen für mich. Als Herrchen und Frauchen neulich Eisessen waren, lag unter dem Nebentisch genauso ein Hund wie ich, nur viel, viel größer und 8 Jahre älter. Wow, das fand ich toll – er aber nicht! Ich glaub, der mochte mich nicht. Schade. Mein Frauchen hat sich aber mit seinem Frauchen unterhalten und erfahren, dass es hier ein „Oberschwabengruppe“ für Neufifreunde gibt. Da hat Frauchen auch gleich mal angerufen und nun kann es sein, dass wir im September oder Oktober mit vielen anderen Neufis spazieren gehen. Da freu ich mich schon drauf. Hoffentlich sind die besser drauf als der von der Eisdiele.
Ansonsten hat Frauchen gestern einen Schlussstrich gezogen: sie trägt mich jetzt nicht mehr!!!! …. sagt sie, ihr tut der Rücken weh! Jetzt baut Adolf mir zwei Rampen, damit ich im Pfarrhaus auch hoch komme in Herrchens Wohnung. 40cm breit, eine Rampe 4m und eine 3m lang. Er nagelt draußen heftig umeinander und ich schau genau zu, ob er es auch richtig macht. Zwischendurch prüfe ich die einzelnen Holzlatten, d.h. ich schleppe immer wieder mal eine hinter meine Hundehütte und prüfe mit meinen Zähnen, ob die auch stabil sind. Dann wieder gehe ich zu Adolf und schlecke ihm ein Ohr ab, weil er doch so liebe Dinge für mich macht. Herrchen baut nebenan zeitgleich ein Wasserspiel neben dem Gartenteich ein. Er bewegt dafür sehr viel Erde. Wenn Adolf mich grad nicht brauchen kann, dann helfe ich Herrchen!
Frauchen sitzt am Computer, die lasse ich in Ruhe, Computer ist langweilig.
Frauchen habe ich gestern geholfen beim Saubergemachen. Ich hab das Katzenklo saubergemacht, d.h. ich habe alle Klümpchen und großen Klumpen aus dem Katzenklo rausgeholt und in mein Körbchen getragen (nun gut, zwischendurch hab ich auch was verloren, aber das ist nicht der Rede wert). Ich habe auch entdeckt, dass auf dem Balkon am Rand kleine Steine liegen, damit habe ich den Weg zu meinem Körbchen geziert, ebenso mit den Blättern von dem künstlichen Efeu, und mit der Blumenerde aus dem Topf, wo die neue Palme rein sollte, habe ich das Ganze komplettiert. Ich habe alles schön geschmückt und war fertig, als jemand zum seelsorgerlichen Gespräch kam und an meinem Körbchen vorbei musste. Frauchen hat sich ganz arg gefreut, Herrchen meinte: macht doch nichts, und der Mann, der kam, ist Rettungsassistent und sagte: „in manchen Häusern, in die ich komme, sieht es schlimmer aus!“ Na, wer sagt’s denn!
Ansonsten halte ich Frauchen gerade mit der Frage: ‚was frisst der Hund?’, auf Trab. Ich fress nämlich lang nicht mehr alles, weißt du! Das Pedigree, das geht ja noch, das Josera, war so lange prima, bis Frauchen einen großen Sack davon gekauft hat. Jetzt rühre ich es nicht mehr an. Das Nassfutter – das überlege ich mir jeden Morgen neu, ob ich jetzt fressen soll, oder nicht! Neulich hat mir Frauchen aus lauter Verzweiflung Reis gekocht, damit ich überhaupt was fresse. Tote Mäuse, die fresse ich mit Vorliebe, habe aber schon bemerkt, dass ich das heimlich tun muss, weil Frauchen fuchsteufelswild wird, wenn sie mich mit ner Maus im Maul überrascht. Manchmal wird mir nach dem Genuss so’ner Maus speiübel und dann muss ich k …….! Frauchen sagt dann: selbst schuld, hoffentlich lernst du was draus. Bis jetzt hat der Lerneffekt noch nicht eingesetzt, aber Frauchen lässt mich jetzt kaum noch aus dem Auge!
Liebe Mama Sina, was tut denn dein Frauchen in deinen Napf? Als ich neulich bei euch war, hat mir das gut geschmeckt. Vielleicht kann ich ja meinem Frauchen da mal einen Tipp geben. Mein Joghurt schlabber ich natürlich nach wie vor, ohne einen Rest zu lassen.
Heute früh hab ich im Garten wieder rote Kügelchen gefunden, oh, da wurde Frauchen wild. Sie meinte, wenn ich das jetzt fressen würde, dann bekämen wir heute noch viel Spaß miteinander. Und dann rief sie AUS und ich bin weggelaufen (ich hab ihr bis jetzt nicht verraten, ob ich was von den Kügelchen gefressen habe oder nicht!).
Ansonsten ist Frauchen absolut wild auf Bewegung. Dauernd will sie mit mir spazieren gehen!! Ich finde das so ätzend und schlurf gelangweilt hinter ihr her. Wenn sie sich aber dann irgendwo versteckt, dann spring ich schnell und such sie. Womöglich lässt sie mich sonst allein im Wald zurück! (Soll es ja bei Menschenkindern schon mal gegeben haben, wie hießen die noch gleich? Hänsel und Gretel!)
Ab morgen wird es, denke ich, ruhiger. Da fahren Frauchen und Herrchen in Urlaub und Irmi und Horst kommen und passen auf mich auf. Irmi, das ist die mit der Scheibe Lyoner in Düsseldorf. Wir werden gemeinsam das Pfarrhaus bewachen. (Hoffentlich vermisse ich Frauchen und Herrchen nicht so arg! Aber Adolf ist ja da, und Maria und Mandy und Nico und Marion und Sarah und …., nee, das krieg ich schon gebacken.
In diesem Sinne, Mama, wünsche ich auch dir einen schönen Urlaub.
Dein Braun-blau
Nr.3 Liebe Mama Sina,
heute muss ich dir unbedingt schreiben, denn ….!!!!!.... eine neue Zeitrechnung hat begonnen!!! Immer mehr Leute erkennen in mir nun einen Hund (!!!), manche Menschen folgerichtig sogar den angehenden Neufundländer. Ist das nicht großartig?
Während früher Gespräche abliefen nach dem Muster: (Gesprächspartner fällt vor mir auf die Knie und dann über mich her)
- Was ist das denn?
- Das ist ein Hund!
- Das ist ja ein Bär!
- Nein, das ist ein Hund und der heißt Silas.
- Der heißt bestimmt Bruno!
- Nein, der Hund (HUND) heißt Silas!
- Bruno der Bär, ach wie niedlich
so laufen seit jüngster Zeit Gespräche wie folgt: (Gesprächspartner nähert sich langsam, zögernd, nach vorherigem längeren Betrachten)
- der ist aber wuschelig. Ist das ein Neufundländer?
- Ja, und er ist kein Bär!! (Verständnisloses Schauen des Gesprächspartners)
- Der ist aber noch jung?
- Ja! Und der bleibt auch braun!
- Ach, das wollte ich als nächstes fragen!
Mama, ich find das riesig.
Ich bin aber auch riesig, …… vom Körper und auch im Kopf. Herrchen sagt, ich werde jetzt erwachsen. Frauchen sagt, das könnte Herrchen nur behaupten, weil er nie mit mir in den Hundekindergarten geht und sieht, was ich da für’n Scheiß mache. Nee, im Ernst, letztens im Kindergarten hatte ich keine Lust. Emmy, meine Freundin, eine helle Labradorhündin, war in Urlaub, Hexe, die Schäferhündin, war krank, Amigo, die Cockerspanielhündin, ist mir einfach zu blöd, und dann ist da noch so einer, der turnt vielleicht mit seinem Herrchen rum, da weiß ich nie, wer da wen erzieht. Und dann sind drei neue Hunde gekommen, so ganz winzig kleine, so 2 Handvoll. Die wollte ich begrüßen und beschnuppern und bin freudig wedelnd zu denen hin. Und da haben die drei angefangen zu fiepsen und bellen und haben sich hinter den Füßen ihrer Frauchen versteckt. Ich dachte, die wollten mit mir verstecken spielen (Frauchen und Herrchen verstecken sich im Wald auch immer hinter dem Baum und dann muss ich suchen) und dann bin ich freudig los, die drei Neulinge zu suchen. Stell dir vor, Mama, da haben die neuen Frauchen ihre Hunde auf den Arm genommen, „getröstet und gestreichelt“ und mich mit den Händen, eine sogar mit dem Fuß, davon gescheucht!!!!!!!!!! Der Trainer ist dann zwar schnell dazwischen und hat da mal was geklärt, aber ich war sauer! Und dann hab ich die ganze Stunde über nur Scheiß gebaut. Ich hab nicht mehr gehört, nicht aufgepasst, ich hab nur blöd getan. Der Trainer hat dann meinem Frauchen erklärt, dass sie kein Händchen für Hunde hat, kein Charisma und viel zu kühl ist …usw. Na, da war dann Frauchen auch ziemlich sauer und, ehrlich gesagt, diese Stunde ging’s mir dann nicht mehr so gut. Abends war ich fix und fertig (ich hab auch kein Abendessen mehr verlangt – ich glaub, ich hätte heute auch keins mehr gekriegt!!!) und hab von 20.30 bis 7.00 Uhr morgens durchgeschlafen ohne einmal in den Garten zu müssen.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, sagte Frauchen zu mir: „So, Hund!“ Ohje, wenn sie mich sooooo anspricht, mit diesem gewissen Unterton, dann empfiehlt es sich, ganz aufmerksam zu sein und möglichst jeden Scheiß zu unterlassen. Sie hat mich dann mit dem Auto auf’s Feld gefahren und dann ging’s los: laufen - Halt – Laufen - sitz – bleib – auf –komm – steh -sitz – bleib – lauf – komm – geh – fahr zur Hölle. Letzteres ging nicht. Das war’n scheiß Spiel und ich entschloss mich, wieder „normal“ zu werden.
Jetzt sind wir wieder Freunde, Frauchen und ich. Beim letzten Hundekindergarten war Emmy auch wieder da, wir haben toll miteinander gespielt und ich habe gehorcht wie `ne 1.
Wenn ich so lieb bin, dann krieg ich auch ein echt gutes Leckerli und darf überall mit hin. Im Blumencenter war ich neulich auch. Mann, war’s da heiß. In den Außenanlagen hat grad einer die Büsche mit so einer Brause besprengt und als er mich kommen sah, durfte ich mich auch unter die Brause stellen. Das war lustig. Und als Frauchen und Herrchen sich etwas anschauen wollten und überlegten, was sie denn jetzt nehmen sollten, hat mich Frauchen irgendwo am Eck „abgelegt“, hat „bleib“ gesagt und dann bin ich sitzen geblieben. Das muss gut gewesen sein, denn ich bin danach von ganz vielen Leuten mächtig gelobt und geknuddelt worden (alle haben Frauchen aber zuvor gefragt). In der Cafeteria hab ich sogar einen eigenen Napf Wasser auf einem Tablett serviert bekommen! Und dann hat’s gedrückt im Bauch!!!!! Ich hab Frauchen ganz flehent angeguckt und gefiepst und Frauchen ist mit mir quer durch den Laden gestürmt (ich hab beide Pobacken fest zusammen gedrückt), an den Kassen vorbei, raus, um’s Eck, auf die nächste Wiese …….. und dann …….
Ich wusste jetzt nicht so recht, ob das in Ordnung war, wie ich mein großes Geschäft erledigt hatte, denn Herrchen und Frauchen wollten ja noch was kaufen, aber dann hat mich Frauchen ganz lieb gekrault und gemeint, ich wär ein toller Hund. Ich muss da wohl etwas total gut gemacht haben. Es war ein schönes Gefühl und ich habe mir vorgenommen, mich öfter so zu verhalten.
Sigmaringen kenn ich jetzt auch schon ganz gut. Da gibt es ganz komische Hunde, die sind klein und grau und haben Federn statt Fell und wenn ich mich für die interessieren will, dann sind die ruck zuck weg. Komisch. Nächsten Freitag machen wir mit dem Hundekindergarten einen Stadtbummel durch Sigmaringen. Emmy und ich in der Stadt – das wird bestimmt schön.
Im Pfarrhaus sind auch neue Zeiten angebrochen. Die Besucher spielen – auf Frauchens Geheiß hin – das Spiel „Welpen ignorieren“. Die Spielregeln hab ich noch nicht ganz verstanden. Da kommen Leute, z.B. Maria, das ist unsere Messnerin, sie ist 70 Jahre jung und hat immer was für mich dabei. Und ich freu mich riesig, wenn sie kommt. Seit einiger Zeit aber kommt sie nun und krault mich nicht, bückt sich nicht sofort zu mir runter, kramt nicht gleich in ihrer Tasche nach einem Leckerli, sondern geht einfach ins Büro, würdigt mich keines Blickes. Ich hol dann mein Spielzeug, wenn es sein muss auch mein bestes Spielzeug, aber Maria hat keinen Blick mehr für den schönen Beißring oder das Quietschekissen. Stattdessen sagt Frauchen, ich solle auf der Decke neben der Türe „sitz“ und „bleib“ machen. Wie langweilig! Nun, Hund soll ja artig sein und so Folgen wie nach der einen Stunde im HundeKindergarten will ich ja auch nicht mehr, also, mach ich sitz und bleib auch ……. aber ich behalte Maria fest im Auge. Und dann kann es passieren, dass Maria, nachdem sie ihre Aufgabe erledigt hat, in den hinteren Teil des Pfarrhauses geht, dahin, wo mein Napf steht oder in den Garten, und dann darf ich mit ….. und dann hat sie was für mich: Leckerli, Streicheleinheiten und Zeit. Das ist dann super schön. Am Samstag hat sie sogar ganz lange mit mir gespielt. Frauchen musste mit vielen Leuten aus der Pfarrei auf einen Berg steigen und Herrchen musste irgendwas segnen. Damit ich nicht alleine bin, kam Maria solange mit. Neulich war ich sogar ganz alleine bei Meyers! Die hatten auch mal einen Hund, der ganz böse gestorben ist und die waren ganz traurig. Sie haben sich dann gefreut, als Mirco und Sirius, meine Vorgänger, da waren. Meyers waren ihre Super-Hundesitter. Als erst Sirius und dann Mirco starben, waren sie wieder ganz traurig. Aber jetzt bin ich ja da und vor ner Woche hab ich die beiden und ihren Garten aufgemischt. Ganz alleine war ich bei denen, drei Stunden lang und es hat mir gar nichts ausgemacht. Die haben auch einen Teich im Garten zum Hundebaden und auch so einen Hügel wie im Pfarrgarten. Frauchen nennt den Hügel „Mirco“, das ist die einzige Stelle im Garten, wo ich ganz sicher nicht graben darf. Meyers haben auch so einen Hügel. Sie nennen ihn Benny. Da darf ich auch nicht graben ….. aber im übrigen Garten überall.
Mama, willst du nicht mal kommen und dir „meinen“ Garten in Stetten anschauen? Bring doch meine Tanten, meine Schwester, den Stiefbruder und wer sonst noch zur Familie gehört einfach mit. Vielleicht fahren wir dann auch an die Donau, da kann hund wunderbar plantschen!
So, jetzt muss ich aufhören mit Schreiben und in den Garten. Adolf, unser Hausmeister, kommt grad und will Zement anrühren. Da braucht er bestimmt Hilfe! Mal sehen, wo ich anpacken kann. Wetten, dass das lustig wird?!
Aus dem prallen Hundeleben heraus grüßt dich, liebe Mama Sina,
dein braun-blau
P.S. Grüß auch all die anderen von mir, Herrchen und Frauchen
Nr.2 Liebe Mama Sina,
ich habe eine Identifikationskrise!!!!!! Ich bin als Hund geboren (!!!!), ich fühle mich wie ein Hund (!!!!!) ich benehme mich - laut Frauchen - wie ein Hund, aber alle, die mich sehen stoßen spontan die Worte aus: „Was für ein süßer Bär!“
Mama, ich bin kein Bär …. oder ????
Immerhin schaffe ich als Bär schon eine ganze Menge: ich hab’s hingekriegt, dass die Verwaltung eines Kreiskrankenhauses – kurzzeitig - zum Erliegen kommt, nur weil ich, der Bär, vor der Tür stand. Sämtliche Fenster gingen auf und vor allem Frauen stießen spitze Töne der Begeisterung aus: ‚Guckt mal, der Bär da! Das ist der Neue in der Seelsorge!’
Den Geschäftsverkehr im Pfarrhaus Stetten habe ich schon lange zum Stillstand gebracht und Gitarre spielt in den Unterrichtsstunden hier auch seit zwei Wochen keiner mehr --- weil alle mit mir spielen!!! Ich weiß jetzt auch, was Ministranten sind: das sind Menschen, die sind entweder zickig (die jungen Damen), cool (die Jungs) oder total lästig (die ganz jungen Minis).
Ich habe inzwischen so gut wie zwei Zuhause, eins wo Frauchen wohnt und eins, wo Frauchen und Herrchen arbeiten. In der Wohnung ist es definitiv ruhiger als im Pfarrhaus.
In der Wohnung ist auch Pünktchen, ich schrieb dir davon, mit der hab ich mich schon gut angefreundet. Oft kuscheln wir; wenn ich ihr aber zu lästig oder lebhaft werde, dann haut sie mir eine feste auf die Nase. Mit der Katze im Pfarrhaus – Baby – ist das etwas anders: die mag mich jetzt überhaupt nicht. Immer wenn ich sie sehe, will ich ihr stürmisch meine Liebe zeigen, was keineswegs auf Gegenliebe stößt. Ich hätte nie gedacht, dass eine so kleine Katze so kräftig fauchen kann.
Am liebste spiele ich mit Zoe und Lene (nicht Nele, da hab ich mich im letzten Brief vertan). Weil Lene noch klein ist, nenne alle sie nur Lenchen. Also, mit der spiele ich am liebsten. Letzte Woche war ich mit den beiden auf dem Gelände vom Kloster Beuron schon in der Donau. Das war ein echtes Abenteuer: es war Hochwasser, aber mitten im Flüsschen, war eine Insel, und da wollten Sören (Herrchen von Zoe und Lenchen) und mein Frauchen und Herrchen mit uns hin. Da die Strömung aber so heftig und das Wasser so tief war, wurden Lenchen und ich rüber getragen. So standen denn unsere Herrchen und Frauchen Oberschenkeltief im kalten Wasser und reichten sich die Hunde von Arm zu Arm. Das muss lustig ausgesehen haben, denn die Wanderer blieben am Wegrand stehen und schauten diesem Hundespektakel interessiert zu.
Dann war’s aber echt herrlich auf der Insel (wenn ich ehrlich bin, muss ich aber zugeben, dass ich nur mit Frauchen ins Wasser bin, da fühlte ich mich einfach sicherer. Frauchen meinte, es sein verdammt kalt, aber das war mir total egal. Nach der riesigen Wasserschlacht haben uns die Mönche verwöhnt, mit Kraulen und Leckerlis. Dort sind auch ganz viele Katzenbabies. Zoe, Lenchen und ich haben viel mit ihnen gespielt, bis wir tot müde einschliefen.
Aber nicht alle Hundis sind hier besonders freundlich: gestern kam mich die 17 Wochen alte Rottweiler-Hündin „Luna“ besuchen. Die war vielleicht arrogant!! Na, der hab ich es aber gezeigt: ich hab geknurrt und bin über die drüber und drunter her und weißt du was, Mama, Luna’a Frauchen hat Luna sogar noch gegen mich aufgehetzt ‚nur so zum Spaß’, sagte sie, aber das fand mein Frauchen gar nicht lustig und meinte, dass ich mit Luna wohl nicht viel spielen werde. (Ist mir mehr als recht).
Vor dem Geschäft ‚Fressnapf’ hab ich einen gleichaltrigen Schäferhund getroffen, der hat andauernd gebellt wie am Spieß. Da hab ich richtig Angst gekriegt und feste gezittert, bin aber dann doch mal näher ran und hab auch mal ganz vorsichtig ‚Wuff’ gemacht und da ist der andere davon gesprungen und hat vorher noch vor Angst gepieselt!
Im ‚Fressnapf’ waren alle ganz lieb zu mir. Die wollten alle den „neuen Mirco“ sehen, naja und stellten auch fest, dass ich ein Bär bin. Man bzw hund sollte doch meinen, dass die sich im Tierreich auskennen und den Hund in mir erkennen!?! Nix war’s.
Im Radladen in Sigmaringen ist noch Ronny, der ist aber schon alt und sehr bequem. Er hat mich beschnuppert, willkommen geheißen (sehr verhalten!) und mir dann deutlich gezeigt, dass er von Welpen nichts hält. Ich hab zwar versucht, ihm meine Vorzüge, meinen eleganten Hüftschwung (auf den sonst alle fliegen) und mein unwiderstehliches Kopfnicken zu zeigen, aber das hat ihn nicht die Bohne interessiert. Schade, hätte `n prima Kumpel werden können.
Ansonsten habe ich inzwischen kapiert, was ‚Silas’ heißt. Das hat was mit mir zu tun. Wenn das jemand sagt, kommt meist etwas Angenehmes für mich. Ich schreibe extra: meist, denn manchmal ist es auch anders, besonders, wenn Frauchen dieses Wort ausspricht. Sie hat dann einen scharfen Hinterton dabei und dann …. naja ist meist Schluss mit lustig: dann darf ich nicht mehr an Gitarrentaschen knabbern, nicht nach Besuchern schnappen, mich nicht an Hosenbeinen festbeißen, keine Papierkörbe ausleeren, und viele interessante Sachen mehr.
Zum Glück kann Frauchen nicht immer gucken, sodass ich doch noch einiges erledigen kann, was mir Spaß macht: ich habe so inzwischen die Auflage des Liegestuhls total zerfleddert, die Erdbeeren sind umgegraben, die Bartnelken gerupft, den Schnecken, die Frauchen sammelt, fehlen alle Fühler, der Sprenkler im Gartenteich ist versenkt, die roten, sauren Kügelchen im Garten hab ich auch probiert ------ und dann ging’s mir ziemlich dreckig. Frauchen hofft, dass ich etwas gelernt habe dadurch!
Am Tag, als Frauchen und Herrchen mich bei euch holten, wurde mein Frauchen krank. Zuerst sah es aus wie eine Sommergrippe, dann ging es Richtung Scharlach und der Arzt meinte, sie solle mal im Bett bleiben …... was sie liebend gern getan hätte, aber da war ja noch: ICH!!!! Und wenn Frauchen dann doch kränkelnd daher dümpelte, nutzte ich die Zeit für ‚sinnvolle Tätigkeiten’. Jetzt steht Frauchen wieder aufrecht und ich muss mich vorsehen.
Mit dem stubenrein sind wir uns auch noch nicht einig. Trotz Scharlach spielten wir unser nächtliches Schlafen-Quietschen-in denGarten springen-pieseln-Spiel voll durch (die Energie muss man erst einmal mit Fieber haben!!!), aber dann dachte ich, ich tu Frauchen einen Gefallen, quietsche nachts nicht, lasse sie einfach mal schlafen und erledige mein Geschäft ganz leise, irgendwo im Eck ……… naja, …… aber Undank ist der Welten Lohn. Was hat mich Frauchen am nächsten Morgen geschimpft. Okay, wenn sie unbedingt will, .. soll sie doch nachts auf der kalten Wiese stehen …… mir doch egal ….. quietsche ich halt wieder. Nur das mit dem Spielen nachts hab ich mir echt überlegt. Frauchen geht immer gleich wieder ins Bett und macht das Licht aus. Das ist langweilig. Ich bin dann auf die dümmsten Gedanken gekommen. Jetzt hat Frauchen mir einen Super-Kau-Knochen geholt und den kriege ich nur nachts. Dann bin ich ruhig und Frauchen und Pünktchen können schlafen. Mit der Zeit macht das Knabbern auch müde und ich schlafe auch wieder ein. So tasten wir uns Schritt für Schritt auf die 6 Uhr-Marke zu (Soll ich Frauchen mal ärgern und morgen bis 7 Uhr schlafen???? Das gäbe einen Spaß, denn sie verlässt sich gerade auf mich und stellt keinen Wecker mehr!!!)
Nico und Mandy kommen auch häufig vorbei und jedes Mal rennen sie mit mir durch Wald, Feld und Wiesen ( es reicht doch, wenn Frauchen und Herrchen dauernd mit mir laufen, oder?) Ich hab mir gedacht: was dich nicht umbringt, macht dich nur stark und jetzt laufe ich halt mit. Letztens bin ich mit Herrchen und Frauchen sogar an der Leine durch Sigmaringen gelaufen. Leine laufen ist o.k., solange ich will. Wenn ich keine Lust mehr habe, setzte ich mich hin und gehe keinen Schritt mehr. Wenn Zuschauer dabei sind, lege ich meinen Kopf noch keck nach rechts und links und lasse die begeisterten: ‚oh, hast du das gesehen, das ist ja sooo süüüüß!’-Rufe über mich ergehen. Zur Not lasse ich mich wie tot auf die Seite fallen, um zu zeigen, dass ich nicht will. Frauchen kocht dann meistens vor Wut und neulich ist sie übergekocht. Schon morgens hatte ich mich taub gestellt und so getan, als ob ich das Wort „Komm“ überhaupt noch nie gehört hätte. Um es ganz deutlich zu machen, verkroch ich mich unter (!) Nachbars Auto! Und dann hockte Frauchen vor dem fremden Auto und versuchte mich darunter vorzukriegen. Zuerst fand ich das ja echt cool, nur dachte ich, Frauchen würde behutsam mit mir umgehen, aber weit gefehlt: mit roher Gewalt zog sie mich unter dem Wagen vor. Und als ich in Sigmaringen wie gewohnt auf „komm“ und locken usw wieder nicht reagierte, zog sie mich einfach gnadenlos hinter sich her. Ich keuchte und würgte, bekam einen Schluckauf, aber all das interessierte sie nicht. Sie faselte was von: wenn ich sage: komm, dann kommst du! Na, das werden wir noch sehen, dieser Kampf ist noch nicht entschieden und ich habe vor, zu gewinnen.
Gestern hatte ich auch meine erste Pfarrgemeinderatssitzung. Das war echt langweilig. Keiner wollte mit mir spielen, alle saßen nur am Tisch und laberten. Da dachte ich mir, ich misch den Haufen mal kräftig auf, und habe angefangen zu würgen, um kurz drauf eine riesige Pfütze Joghurtbrei im Raum zu verteilen. Als sich die Aufregung wieder gelegt hatte und sich alle wieder ihren Amtsgeschäften widmeten, fuhr ich eine nächste Runde auf, und machte im Flur deutlich, dass ich auch noch Durchfall habe. Damit war die Sitzung zumindest für Frauchen beendet. Hab ich gut gemacht, gell??!!?? Heute geht’s mir übrigens wieder gut. Langweilige Sitzungen werde ich aber in Zukunft anders versuchen zu stören. Morgen kann ich schon üben, da bin ich nämlich den ganzen Tag bei einer Notfallseelsorgeübung dabei.
Sonntag werde ich beim Aktionstag des Malteser Hilfsdienstes als „der neue Mitarbeiter der Notfallseelsorge“ meinen Einstand geben. Zoe und Lenchen kommen auch. Zusammen werden wir sicher einiges auf die Beine stellen. Zumindest werden die Besucher an unserem Stand Schlange stehen, wetten?
So. Mama, das waren jetzt einige Eindrücke aus meinem neuen Leben. Anbei schicke ich dir auch noch ein Foto von Lenchen und mir.
Liebe Grüße
dein blau-braun
Nr.1 Liebe Mama Sina,
Meine ersten Tage in der neuen Familie sind vorbei. Das war echt ein Ding!!! Als die beiden Menschen Freitag morgen kamen, war das ja noch ganz lustig. Am Geruch hab ich die schon wieder erkannt und bin ja auch gleich hin, weil die mich immer so gekrault haben (vielmehr als meine Geschwister), aber, dass da ein Hintergedanke bei war, wäre mir ja nie in den Sinn gekommen.
Da wurde ich doch plötzlich dem einen Mensch in den Arm gedrückt ...... und dann war alles anders.
Der eine Mensch: ich weiß ja nicht wie hund den normalerweise nennt, ich nenne sie „du bist der beste Hund, den wir haben“ (das sagt sie immer) und den anderen Menschen nenne ich „Na, Wuschelbärchen“ (weil der das auch immer so sagt).
Also „Na, Wuschelbärchen“ saß vor mir in einem großen Kasten aus Blech und „du bist der beste Hund, den wir haben“ saß bei mir hinten und hat mich festgehalten. Bis dahin war das ja noch ganz o.k. Der Blechkasten machte dann irgendwelche Geräusche und setzte sich schließlich in Bewegung. Am Anfang fand ich das ja alles noch ziemlich interessant, aber dann wunderte ich mich doch, dass du nicht nach gekommen bist und auch meine Schwestern und Brüder waren nicht in dem Ungestüm. Nee, dann hatte ich keine Lust mehr zu dieser komischen Unternehmung und wollte nur noch zu dir. „Du bist der beste Hund, den wir haben“ hielt mich fest und redete die ganze Zeit auf mich ein. War ja nett gemeint, aber ich wollte doch heim!! „Na, Wuschelbärchen“ sagte immer was von ‚wir fahren jetzt nach Hause’ aber irgendwie stimmte das nicht. Wir fuhren immer weiter von euch weg. Ich hab dann „du bist der beste Hund, den wir haben“ einfach den Rücken zu gekehrt und so getan, als ob ich schlafen würde.
„Na, Wuschelbärchen“ hatte eine eigenartige Art, dieses Blechgestüm zu bedienen. Es hat mich hin und her geschaukelt, ich fand das echt zum Kotzen, was ich den beiden Menschen dann nach einer Stunde Herumgeeiere auch deutlich zeigte!!!! 10 Min später ließen sie mich dann aus diesem Blechkasten raus (Ich glaub, sie nennen das: Auto) und setzten mich auf eine herrlich schöne Wiese. ‚Wieder zu Hause’ dachte ich gleich, aber ziemlich schnell merkte ich, dass ihr alle gefehlt habt. Es war eine andere Wiese, meine neue Wiese, wie ich bald merken sollte. Langsam begriff ich, dass lamentieren keinen Sinn macht, ich musste mir neue Strategien einfallen lassen. Folglich habe ich mir die Beine von „du bist der beste Hund, den wir haben“ als Haltepunkt ausgesucht (wenn sonst keiner da ist) und denen bin ich dann auf Schritt und Tritt nachgelaufen. Sie haben sich wirklich bemüht, doch, ja. Ich bekam sogar einen Wassernapf hingestellt (ich hab dann so getan, als ob ich ihn nicht sehen würde) und stell dir vor, die haben mir sogar mein Futter hingestellt, das, was es bei dir auch immer gab. Nee, hab ich mir gedacht, so kriegen die mich nicht rum, und dann hab ich das Futter auch einfach ignoriert!!!!! Etwas später legte mir „du bist der beste Hund, den wir haben“ einen Ball vor die Nase, wenn ich den herumkullerte, fielen immer wieder Futterbröckchen raus, die waren echt gut und ich hab die auch gefressen (so’n Mist, ich hab zu spät gemerkt, dass „du bist der beste Hund, den wir haben“ mich überlistet hat, denn schließlich hatte ich doch etwas von meiner Mittagsration gefuttert.)
Und, Mama, du glaubst es kaum, ich bin noch nicht einmal der einzige Hund hier. Kaum war die Futteraktion gelaufen, kam ein anderer Hund durch den Garten auf’s Haus zu: weiß ist er bzw. sie, mit schwarzen Punkten und wohnt hier. „Na, Wuschelbärchen“ nennt sie Pünktchen. Ich hab mich mächtig gefreut, mich aber doch vorsichtig Pünktchen genähert. Die stellte ihren Schwanz aufrecht und guckte mich ganz komisch an. Dann ist sie an mir vorbeigeschlendert, an meinen Futternapf und hat mein Futter (mein Futter!!!!) gefressen. Daraufhin hab ich meinen Napf gepackt und ihn in den Garten getragen. Da findet Pünktchen ihn bestimmt nicht wieder.
Dann hab ich erstmal geschlafen. „Na, Wuschelbärchen“ hat meinen Schlaf bewacht, er saß auf dem Stuhl, unter den ich mich gelegt habe. Beim Aufwachen musste ich mich immer wieder orientieren, wo ich eigentlich bin und da, stell dir vor, wurde ich wach und die Beine von „du bist der beste Hund, den wir haben“ waren weg, einfach weg, nirgends zu finden. Da hab ich dann doch das große Heulen gekriegt. Zum Glück kam sie gleich wieder. Zu dritt gingen wir in den Garten. Der ist gut. Da liegt abgemähtes Gras, das kann hund wunderbar hin und her wirbeln. Da liegen auch überall diese roten Kügelchen im Garten unter den Bäumen, wie zu Hause (und genauso wie zu Hause, heißt es hier auch sofort „Aus“, sobald ich eines anknabbern möchte. Irgendwie haben „du bist der beste Hund, den wir haben“ und „Na, Wuschelbärchen“ sich wohl mit unserem Herrchen und Frauchen abgesprochen.)
„Na, Wuschelbärchen“ musste wieder arbeiten gehen, aber „du bist der beste Hund, den wir haben“ blieb bei mir. Ich hab dann meine Zeit mit Umgucken, Schnuppern und Schlafen verbracht. Einmal hat mich Pünktchen geweckt, als sie meine Nase abgeschleckt hat. Ich fand das schön und bin ganz ruhig liegen geblieben.
Nachmittags hatte ich dann doch etwas Hunger, „du bist der beste Hund, den wir haben“ machte mir auch den tupfengleichen Joghurtbrei wie zu Hause, aber ich wollte doch eigentlich zeigen, dass ich hier nichts fresse, nur wenn es wieder heimgeht ... oder so!! Ich hab dann den Napf auch stehen gelassen. „Du bist der beste Hund, den wir haben“ hat das nicht gefallen. Ich war gespannt, wie sie den Brei in den Ball bekommt, um mich wieder zu überlisten!!
Dann klingelte das Telefon und „du bist der beste Hund, den wir haben“ war abgelenkt. („Na, Wuschelbärchen“ wollte wissen, was ich so mache) Sofort bin ich heimlich in die Küche und hab den Napf leer gefressen, bis auf den letzten Tropfen Joghurt. Dann bin ich müde und total fertig eingeschlafen.
Als ich wach wurde, waren zwei weitere Menschen da. „Na, Großer“ war der eine und „Bist du aber ein Süßer“ die andere. Die sind mit mir in den Garten und haben mit mir gespielt. Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn keine Geschwister dabei sind (sorry, Mama), aber da hat hund die ganze Aufmerksamkeit für sich ganz allein.
Und, Mama, du kannst echt stolz auf mich sein, denn ich kann heute schon etwas, was Mirco (der lebte vor mir hier!) nie konnte!!! Ich kann über den Balkon gehen!!! Ich bin wie immer „du bist der beste Hund, den wir haben“ hinterhergelaufen und plötzlich sagte „Na, Großer“ zu „Bist du aber ein Süßer“: ‚guck dir das an, da ist Mirco nie lang gegangen, der hatte höllisch Angst vor der Höhe’.
Nach der Spielaktion hab ich mal wieder kurz geschlafen und im Traum bin ich mit euch allen durch den Garten gelaufen, habe meine Schwestern am Ohr geknabbert und meinen Brüdern das Spielzeug weg genommen..... bis ich wieder wach wurde.
Na, und dann gibt’s natürlich auch echt dämliche Sachen hier und da wird „du bist der beste Hund, den wir haben“ richtig streng: ich darf keine Bartnelken abbeißen und keine Erdbeeren ausgraben, keine Stuhlkissen anknabbern und Schuhe erst recht nicht, auch nicht die Boppel von den Hausschuhen, ich darf auch keine Topfblumen durch die Gegend schleppen und natürlich diese roten Kügelchen nicht fressen. „Du bist der beste Hund, den wir haben“ sagt, die sind viel zu sauer und ich bekäme davon Bauchschmerzen. (Na und!?)
So gegen 21 Uhr hatte ich dann wieder so’n bisschen Hunger und bin mit dem Napf im Maul vor „du bist der beste Hund, den wir haben“ hin und her gelaufen. Dann gab’s die Fütterung der Raubtiere: Pünktchen bekam nämlich auch was, aber auf (!) der Küche und ich unten. (Ich hab aber nur am Essen genippt!) Nach dem Essen bettelte Pünktchen um Streicheleinheiten. Wo gibt’s denn so was, die wollte mir „du bist der beste Hund, den wir haben“ ausspannen, und sie konnte noch nicht einmal richtig bellen, das klang eher wie: miau oder so! Aber „du bist der beste Hund (die beste Katze, die), den wir haben“ hat zwei Arme und so gab’s Streicheleinheiten im Doppelpack.
Beim letztem Abendspaziergang hab ich dann so getan, als ob ich über alles Bescheid weiß und bin durch den Garten gelaufen, unter jeden Busch, und hinter jede Ecke, als ob es schon jahrelang mein Garten gewesen wäre. Da hättest du mal „du bist der beste Hund, den wir haben“ Gesicht sehen sollen, die hat gestaunt!!!
Und dann ging’s ins Bett. Damit ich nicht so alleine bin am Anfang, hat „du bist der beste Hund, den wir haben“ mir ein eigenes Körbchen neben ihr Bett gestellt. Fand ich gar nicht so schlecht. Als ich dann aber sah, dass Pünktchen auf dem Bett liegen durfte (und ich nur daneben), da fand ich das echt gemein und habe mit allen Mitteln versucht, auch da hoch zu kommen. Es funktionierte aber nicht und keiner hat mir geholfen, im Gegenteil: „du bist der beste Hund, den wir haben“ hat mich immer wieder ins Körbchen geschoben. Das fand ich sooooo gemein, da bin ich ab in die Küche und hab einfach dort unter dem Küchentisch geschlafen.
Um 2 Uhr musste ich mal ... na, du weißt schon. Ich bin dann zu „du bist der beste Hund, den wir haben“ gelaufen und hab an ihrem Bett gequietscht. Mama, du glaubst kaum, wie schnell die kerzengrade vor dem Bett stand, mich unter dem Arm packte und in den Garten trug. Naja, es war ja auch höchste Eisenbahn. Mit „du bist der beste Hund, den wir haben“ im kühlen Garten (es waren 10°C), das war toll und so wollte ich nach meinem Geschäft mit ihr spielen. Aber die ist echt komisch drauf, sie nahm mich sofort wieder mit rein, legte mich ins Körbchen, sich ins Bett (Pünktchen reckte sich einmal genüsslich) und dann machte sie das Licht aus. Was sollte ich jetzt im Dunkeln spielen .. so ganz allein?? 15 Minuten habe ich versucht zu protestieren, aber nichts half, da bin ich einfach wieder in die Küche und hab dort weitergeschlafen. Um 4 Uhr haben wir das Spielchen Quietschen – Garten – weiterschlafen noch mal wiederholt, aber dieses Mal hab ich beim letzten Punkt nicht mitgemacht!!! Sollen Pünktchen und „du bist der beste Hund, den wir haben“ doch ruhig schlafen, ich erkundete jetzt erst mal ganz genau die Wohnung. Tolle Sachen gab’s da!!!!! Für die Fernsehzeitung hab ich nur 15 Min gebraucht. Jetzt hat „du bist der beste Hund, den wir haben“ ein ganz tolles Puzzle. (Übrigens: Pünktchen schnarcht!) 2 Stunden hab ich gewuselt, dann ist „du bist der beste Hund, den wir haben“ auch aufgestanden und hat mir Frühstück gemacht. Während der Zubereitung, als keiner geguckt hat, hab ich am Bett noch mal geübt, und !!!!! jetzt kann ich auch auf’s Bett klettern. „Du bist der beste Hund, den wir haben“ hat mich neben Pünktchen gefunden, als sie mich zum Frühstück suchte. Aber gelobt hat sie mich nicht für die tolle Kletterleistung. Versteh ich nicht. Nach dem vielen Spielen und Klettern war ich dann aber viel zu müde zum Fressen und bin vor dem Fressnapf erschöpft eingeschlafen.
Mama, „du bist der beste Hund, den wir haben“ hat echt’n Rad ab. Hat die mich doch Samstagmorgen sage und schreibe 10 ganze volle Minuten durch den Wald geschleift!!!!!! Nachdem ich mich um 8 Uhr mehr schlecht als recht meinem Frühstück gewidmet habe (besser gesagt: ich habs mal genauer angeschaut), faselte „du bist der beste Hund, den wir haben“ etwas von: ‚das kriegen wir schon hin’ und dann musste uns „Na, Wuschelbärchen“ als er mich heute früh besuchen kam, mitten in den Wald fahren. „Du bist der beste Hund, den wir haben“ war fest entschlossen, den Rückweg zu Fuß zu bewältigen und mich mitzuschleifen. Nun gut, sie war nicht ganz so gemein, die letzten Meter hat sie mich getragen, aber ich war danach so was von fertig ..... und hungrig ..... und durstig. Zuerst hab ich ordentlich Wasser geschlabbert, dann mein Frühstück bis auf den letzten Krümmel verputzt und anschließend 4 Stunden fest geschlafen. Lediglich für ein reichhaltiges Mittagessen habe ich kurz die Augen geöffnet und mich etwas bewegt.
Wenn du denkst, das war es für heute, hast du dich getäuscht. „Na, Großer“ und „du bist aber ein Süßer“ kamen gegen Abend noch mal vorbei und die sind auch so lauffreudig. Eine riiiiiiiiiiiesengroße Runde musste ich laufen! Und stell dir vor, Pünktchen geht sogar freiwillig mit, immer 10 Schritte hinter uns.
Und dann meinte „du bist der beste Hund, den wir haben“, eine kleine Runde vor dem Schlafengehen könnte mich so richtig müde machen und ich würde dann die Nacht besser schlafen. Die Runde bin ich mit getippelt. Das es keinen Wert ha, habe ich „du bist der beste Hund, den wir haben“ um 3 Uhr heute früh gezeigt.
Heute, Sonntag, wird’s auch echt stressig. Zuerst stand wieder Autofahren an in ein Haus, das sie Pfarrhaus nennen. Mama, das ist ein herrlicher Garten und eine Schwester von Pünktchen wohnt hier, die heißt Baby. Ich glaub, die mag mich noch nicht so, sie stößt immer so komische Laute aus, hört sich an wie ein Zischen. Da hab ich mir überlegt, ich kann doch auch so was ähnliches, hab allen Mut zusammen genommen und habe !!gebellt!! Ja, dem Baby hab ich’s so richtig gezeigt!!!!!
Dann kam noch ein Mann, der sagte: ‚wenn dich die Ministranten sehen, hast du kein Fell mehr!’, sag Mama, muss ich jetzt Angst haben? Ach, ich wart’s einfach ab, „du bist der beste Hund, den wir haben“ und „Na, Wuschelbärchen“ werden schon auf mich aufpassen.
Jetzt werde ich aber erst mal schlafen, ich bin hundemüde. Gleich geht’s zum Gemeindefest der Nachbarkirche und nachmittags kommen mich Zoe und Nele besuchen. Nele soll doppelt so alt sein wie ich und genauso braun, nur kürzeres Fell. Zoe ist schon „eine Jugendliche“. Bin mal gespannt.
Das wäre so der erste Eindruck von meinem neuen Zuhause und, Mama, ich glaube, ich werde wohl hier bleiben. Also hab ich mir gedacht, ich nenne „du bist der beste Hund, den wir haben“ ab jetzt Frauchen und „Na, Wuschelbärchen“ Herrchen, „Na, Großer“ wird Nico und „Bist du aber ein Süßer“ heißt jetzt Mandy. An die ewige Lauferei von denen werde ich mich auch noch gewöhnen.
Mit einem feuchten Nasenstubser grüßt dich ganz lieb
dein „blau-braun“
P.S. Mama, was bedeutet Silas? Das sagen die hier andauernd und ich hab keinen Schimmer, was die damit meinen.
Liebe Mama Sina,
Mama, Mama, gestern hatte ich ein tolles Erlebnis: Frauchen hatte einen Familienspiele-nachmittag nebenan im Gemeindehaus und ich durfte nicht mit!! Ich sollte den Garten hüten. Frauchen meinte, dass wäre besser bei dem Trubel von ca 45 Kindern und ihren Eltern. Und als ich jeden Besucher mit lautem Gebell begrüßte, hat mich Frauchen sogar ins Pfarrhaus gesperrt. Das war doof, ziemlich doof und entsetzlich langweilig. Aber dann, als es dämmerte, sind einige Kinder vom Spielenachmittag davon geschlichen, sind leise durch den Pfarrgarten getapst und haben mich aus dem Pfarrhaus befreit!!!!! (Ich verrate auch nicht, wer es war und wie sie es gemacht haben, jedenfalls war ich draußen, frei, vogelfrei!) Hej, das war eine Freude. Die Kinder haben mich bis auf die Strasse mitgenommen, sind mit mir spazieren gegangen, haben im Dunkeln verstecken mit mir gespielt usw. Zuerst waren es nur etwa 10 Kinder, später wurden es immer mehr … bis ein paar große, fremde Kinder zu Frauchen liefen und ihr mitteilten, dass ich gerade mit einem großen Schwung kleiner Kinder allein um die Häuser streife. Mama, da hättest du mal mein Frauchen sehen sollen. Die war blasser als der Vollmond als sie raus kam, um mich zu suchen. Ich dachte ja zuerst, sie wolle mitspielen und bin auch freudig wedelnd zu ihr hin als sie uns fand, aber dann hat sie mich wieder ins Pfarrhaus gesperrt, nicht ohne vorher zu fragen, wer mich dort rausgeholt hat. Die Kinder und ich haben es aber nicht verraten. Und dann wollte Frauchen ganz genau wissen, was wir alles miteinander gemacht hätten und wo wir waren, wie lange der Spaß schon geht, wen wir getroffen haben, ob ich irgendwo einen Haufen hingesetzt hätte (was denkt Frauchen eigentlich von mir?) aber auch da haben wir dicht gehalten und nichts gesagt. (Ich verrate doch meine Befreier nicht! Vielleicht kommen sie ja noch mal?) Es war auf jeden Fall DAS ultimative Erlebnis der letzten Tage.
Ich bin ja sonst ziemlich ruhig geworden im Pfarrhaus. Mein Gott, wenn`s da klingelt (und es klingelt dauernd), dann reg ich mich schon lange nicht mehr auf und guck von meinem Platz am Ende des Flures ruhig und zufrieden dem Treiben zu: wie da die Frauen und Kinder und Männer und Jugendlichen kommen, die Ängstlichen und Forschen, die gut und übel Riechenden, Babys ihre ersten Schritte wagen und viele andere mehr. Nur bei Maria, der Messnerin, da kann und will ich mich nicht zurück halten, denn ihre Leckerlis sind eine wahre Pracht (und sie hat immer ein Leckerli für mich dabei und eins für Baby, die Katze.).
Und, Mama, sag, warum hast du mir in den heißen Tagen nach unserer Geburt eigentlich nicht erzählt, dass es nicht immer so warm ist, dass es
- eine Zeit gibt, in der ich mich nicht verzweifelt hinter`s Klo verziehen muss, nur weil es dort kühl ist,
- eine Zeit, in der Frauchen überhaupt nicht mehr wild drauf ist, mit mir Gassi zu gehen (und wenn, dann nur ganz kurz)
- eine Zeit, in der man/frau mich mal richtig deutlich sieht im Garten, auf dem Feld und
im Wald, weil ich mich farblich endlich einmal abhebe.
Warum hast du mir nie erzählt von diesen herrlichen Temperaturen weit unter Null, von dem weißen Zeug, was da ohne Ende vom Himmel kommt und in der Nase kitzelt oder mich zudeckt, wenn ich im Garten liege, so, dass Frauchen mich fast nicht mehr findet und nur noch an dem großen Hubbel auf der Wiese erkennt, wo ihr Hund liegt.
Die Menschen nennen es Winter und haben so Geräusche wie „brrrr“ auf den Lippen. Ich finde es nur schön, einfach schön. Du solltest mal Frauchen sehen, wie die aussieht, wenn die mit mir raus muss: ne ganz rote Nasenspitze hat sie und ähnelt nach 20 Min Gassi gehen schwer Rudolf, dem Rentier mit der roten Nase (du weißt schon, dem Tier, das den Nikolausschlitten zieht!).
Frauchen ist übrigens inzwischen sehr ungeschickt geworden. Wenn es nicht so herrlich bitter kalt ist, und sie doch mal mit mir spazieren geht, findet sie am Wegrand immer tolle Stöcke, aber sie ist viel zu schwach, um diese bis nach Hause tragen zu können. Immer wieder fallen sie ihr aus der Hand, oft fliegen sie sogar im hohen Bogen weg, und dann komm ich – ganz Kavalier ! – und sprinte los und hol alle Stöcke wieder. Naja, nicht alle, irgendwann denke ich dann auch, wenn sie sie nicht tragen kann, dann lassen wir sie doch einfach liegen.
In der letzten Zeit ging Frauchen auch viel mit mir durch die Stadt spazieren. Da tippelten mal drei junge Frauen auf mich zu (richtig laufen konnten die gar nicht in ihren Designerschuhen), schwenkten ihr Handtäschchen, sahen mich an und meinten: Brutaaaaaal, ej, echt brutaaaaal, man ej, brutaaaal, bruuuutaaal groooß…….“! Mama, was heißt: brutal?
Ist dir auch schon mal aufgefallen, wie viele Menschen einen Sprachfehler haben? Z.B.: uns kommt eine Frau mit einem Pudel entgegen. Ich freu mich riesig und wedel heftig mit dem Schwanz. Ganz ruhig und gespannt warte ich, bis der Pudel näher kommt. Da stammelt die Frau plötzlich: „Ggggehennnn sie da wwwwweg. mei … mei … mein Huuuund ha ha hatttt Aaaangstttttt.“ Ich würde den Pudel(oder was für ein Hund das auch immer grad ist) dann immer gerne trösten und ihm zeigen, dass er keine Angst haben muss (ich habe auch noch nicht herausgefunden, wovor die anderen Hund Angst haben), aber Frauchen oder Herrchen meinen dann meist, dass es besser ist, wenn wir ohne zu trösten weitergehen.
Letzte Woche musste Frauchen weg und konnte mich nicht mitnehmen. Da auch Herrchen eingespannt war, kam „Opa“, um auf mich und das Haus aufzupassen. Opa ist Frauchens Papa und, echt, Mama, das merkt man gleich, dass die zwei verwandt sind. Frauchen rennt ja schon viel mit mir durch die Gegend (wenn’s nicht zu kalt ist), aber Opa ist da gar nicht mehr zu stoppen. Ich dachte mir: da kommt so ein 73 jähriger Mann, der will es bestimmt etwas ruhiger, aber nichts war es mit Ruhe. Stuuuuundenlang ist der mit mir durch’s Donautal gewandert. Echt, ich war nach den vier Tagen mit Opa total groggy und habe gelernt: nehme dich vor älteren Herren in acht, besonders wenn du meinst, sie wären ruhig und gesetzt.
Bei einem unserer Spaziergänge kam ein Mann auf uns zu mit Stöcken und Rucksack. Ha, da hab ich mich gefreut, den kannte ich, das war mein Hundelehrer. Der kommt manchmal so verkleidet an, wenn er in der Hundschule testen will, ob wir auch „wesensfest“ sind. Mannomann, da bin ich ab wie Schmitzchens Katze, zu ihm hin, und hab meinen Hundelehrer „umwerfend“ begrüßt“ (was ich sonst wirklich nie mache!). Als Opa dem Mann später aus dem Schneehaufen, in den er gekippt war, aufhalf und erklärte, dass ich noch ein Hundebaby und ziemlich verspielt bin (was der Mann mit einem Blick auf mich nicht glaubte), stellte ich fest, dass es NICHT mein Hundelehrer war. Opa hat mir drei Kilometer lang erklärt, dass meine Begrüßung jetzt echt Sch …. war und dass er das Frauchen erzählen wird (bitte nicht!!!) und außerdem und sowieso und …..
Für die restlichen Tage habe ich mir vorgenommen, ganz arg lieb zu sein und als Opa morgens beim Brötchenholen vor dem Bäcker auf Glatteis ausgerutscht und hingefallen ist, hab ich mich ganz lieb neben ihn gelegt und ihm das Gesicht abgeschleckt, um ihn zu trösten.
Dass Frauchen heute in der Hundeschule meinem Hundelehrer von meiner „umwerfenden“ Tat erzählen musste, fand ich nicht so toll --- und das auch noch vor all den anderen Hunden. Peinlich.
Ansonsten hatten wir viel Spaß heute in der Hundeschule. Bevor die Gruppenstunde anfing, sind wir alle noch etwas spazieren gegangen. Dass es geregnet hat, hat vielleicht unsere Frauchen gestört, aber uns Vierbeiner keineswegs.
Wir gingen an einem wunderbaren, umgepflügten Feld vorbei. Meine Freundin ist eine sehr helle Hündin. Nachdem wir aber 5 Minuten über das Feld gerast sind, war sie genauso braun wie ich. Der Hundelehrer meinte dann, die Frauchens sollte ihre Hunde mal wieder zu sich rufen, damit wir anfangen können. Mama, stell dir vor, da stehen die Frauchen am Feldrand, laufen hin und her, werden immer hektischer und rufen – wie sie das gelernt haben - : Hiiiiiiieeeeeer! und wedeln mit Leckerlis usw. Aber was interessieren uns Leckerlis, wenn wir so herrlich miteinander toben können. Schließlich blieb unseren Frauchen nichts anderes übrig, als uns aus dem Feld zu fischen. Sie stapften, begleitet von „Igitt-ääähh-iihhhh-matschig-Rufen“ über das Feld. Wir begrüßten sie herzlich, schmiegten uns fest an sie und ließen uns widerstandslos einsammeln. Schließlich sahen wir (Mensch wie Hund) alle gleich aus: die Füße dick matschverklebt, die Beine nass und alle zusammen gleichmäßig in erdiges Braun gehüllt. Es geht doch nichts über die Hundeschule.
Ansonsten habe ich heute meine Ratte beerdigt, Mama. (Du erinnerst dich, die Ratte aus IKEA, mein Lieblingsspielzeug). Frauchen sagte, dass diese grauen Stofffetzen nicht im Entferntesten an eine Ratte erinnern würden und legte mir ein Begräbnis meines Spielzeugs nahe. Es war sehr traurig und ich schlich immer wieder um die große Tonne, in der meine Ratte ihr Ende fand. Frauchen meinte, ich hätte ja noch den Biber (auch von IKEA), der triefend im Garten liegt ( schnief ) und außerdem braucht so ein großer Hund doch „anständiges“ Spielzeug.
Groß bin ich wirklich – sagen die anderen auf jeden Fall. Und Proportionen kriege ich, sagen auch die anderen. Ich weiß zwar nicht, was Proportdingsda ist, ich hab jedenfalls noch nichts gespürt. Mit 42 kg und einer Schulterhöhe von ca („circa“, weil ich beim Messen nicht still halte) 68 cm vorne und ca 73 cm hinten (ich stehe also etwas im Ungleichgewicht), finde ich mich ganz normal. (Wenn Herrchen misst, dann bin ich auf beiden Seiten jeweils 5 cm höher). Meinen Lieblingsplatz hinter dem Klo musste ich schon lange aufgeben, da pass ich nicht mehr hin.
So, Mama, jetzt werde ich doch langsam müde. Die Schlammschacht auf dem Feld hat mich doch ziemlich mitgenommen, deswegen:
sei gegrüßt bis zum nächsten Mal
dein
braun-blau